Tage der Entscheidung für die Euro-Zone: Griechenland-Wahl und EZB-Beschluss zu Staatsanleihen

60 Milliarden Euro monatlich bis Ende September 2016

Nichts hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen Inflation und Konjunkturschwäche unversucht gelassen, sie führte sogar Nullzinsen ein. Doch weil der Erfolg bisher bescheiden ist, holte Mario Draghi nun ein neues Instrument aus dem Schrank: Anleihenkäufe in großem Stil – für 60 Milliarden Euro monatlich bis Ende September 2016, wie der EZB-Präsident in Frankfurt erklärte. Das ist ein historischer Schritt.

Tage der Entscheidung für die Euro-Zone
EZB-Chef Draghi bekommt nicht nur Beifall für seinen Kurs.
Reuters

Schon im Vorfeld waren die Kurse an den Börsen in Frankfurt und New York gestiegen. Sie feierten Draghi für seine Pläne. Was genau steckt dahinter und welche Folgen hätte es für uns alle in Deutschland? Wir liefern Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum kauft die EZB Staatsanleihen auf?

"Das Anleihekaufprogramm soll dafür sorgen, dass die lahmende Konjunktur in der Euro-Zone angekurbelt wird und dass wir nicht in eine Abwärtsspirale, was Preise und Löhne angeht, reinfallen", erklärt Anleihehändler Arthur Brunner.“ Die EZB hofft, dass Anleger wieder stärker investieren und Banken mehr Kredite vergeben. Gleichzeitig sinken aber auch die Zinsen weiter.

Zudem ist seit Monaten die Inflation im Euroraum sehr niedrig. Im Dezember sanken die Verbraucherpreise auf Jahressicht sogar erstmals seit 2009, vor allem weil die Ölpreise abgestürzt sind. Nach Einschätzung von Unicredit-Volkswirt Marco Valli wird die Inflationsrate im laufenden Jahr im Schnitt bei minus 0,5 Prozent liegen. Folglich muss die EZB gegensteuern, denn sie sieht sich einem Inflationsziel von knapp unter 2,0 Prozent verpflichtet.

Warum ist der Kauf von Staatsanleihen umstritten?

Vor allem wegen ihrer Wirkung auf die Euro-Sorgenkinder wie Griechenland. Fondsmanager Stefan Riße etwa kritisiert, "dass die Länder, die dringend Reformen machen müssen, mit dem billigen Geld weiter auf der Schuldenwelle reiten und die Reformen, die notwendig sind, um die Wirtschaft wirklich fundamental zu verändern, dann doch nicht angegangen werden".

Urlaub außerhalb der Euro-Zone wird teurer

Was halten Bundesregierung und Bundesbank vom Schritt der EZB?

Sie sind davon alles andere als begeistert. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fürchtet, dass die Notenbank mit Anleihenkäufen die Reformmüdigkeit in Krisenländern verstärken könnte. Regierungen könnten zum Schuldenmachen verleitet werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte gemahnt: "Der Druck auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa muss erhalten bleiben, sonst wird gar nichts, aber auch gar nichts uns helfen."

Was bedeutet der Kauf von Staatsanleihen für uns?

Weil der Eurokurs weiter nachgeben dürfte, wird zum Beispiel Urlaub außerhalb der Euro-Zone teurer. Umgekehrt profitiert unsere Export-Wirtschaft. Denn je schwächer der Euro ist, desto günstiger lassen sich Produkte etwa in die USA verkaufen. Gleichzeitig werden Importe teurer, was den Preisauftrieb stärkt. "Ein schwacher Euro würde jetzt und in der Zukunft die Konjunktur stützen und einen Anstieg der Preise für Importgüter bewirken", ist Unicredit-Ökonom Marco Valli überzeugt.

Was passiert bei einem Machtwechsel in Griechenland?

In Umfragen liegt das von Alexis Tsipras geführte Linksbündnis Syriza vorne; Tsipras hatte im Fall eines Wahlsiegs ein Ende der Sparpolitik angekündigt. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker fordert hingegen, auch eine neue Regierung in Athen müsse Zusagen des Landes für Reformen und Haushaltssanierung einhalten. Die Euro-Finanzminister werden am kommenden Montag unter dem Eindruck des Wahlergebnisses über die Zukunft des griechischen Rettungsprogramms beraten – Ausgang im Moment offen.