Tag zwei in Washington: Die Choreographie der Alphamännchen Trump und Macron

"Du hast da was!", Trump wischt Macron die vermeintlichen Schuppen von der Schulter.
"Du hast da was!", Trump wischt Macron die vermeintlichen Schuppen von der Schulter.
© REUTERS, KEVIN LAMARQUE, SAV/HB

25. April 2018 - 15:51 Uhr

Trump hat seinen 'Tanzpartner' gewählt. Von Franca Lehfeldt

Am zweiten Tag des französischen Präsidenten in Washington sollten endlich wichtigere Themen in den Vordergrund rücken, als die Bepflanzung der Gartenanlage des Weißen Hauses. Insbesondere ein zentrales Thema: das Iran-Abkommen. Und obwohl die Themen komplex und die Erwartungen der Öffentlichkeit hoch sind, lenken nonverbale Alphamännchen-Tänze beider Staatsoberhäupter immer wieder von elementaren Inhalten ab.

Die Besetzung der Hauptrolle geht an Frankreich

Trump und Macron in Washington.
Küsschen links, Küsschen rechts! Die zahlreichen Tätscheleien zwischen Trump und Macron begleiten den gesamten Aufenthalt in Washington.
© imago/UPI Photo, PAT BENIC, imago stock&people

Sollte man sich die Mühe gemacht haben, die Tätscheleien zwischen Macron und Trump zu zählen, geht das Ergebnis eindeutig "gegen unendlich". Küsschen links, Küsschen rechts, es folgt Schulterklopfen im Dreiviertel-Takt in der Endlosschleife. Und die Kür liefert Trump schließlich vor den Augen der Weltpresse, als er fürsorglich ein paar Schuppen von Macrons Schultern wischt. Ob er ihm damit etwas Last von den Schultern nehmen wollte bleibt unklar. "Wir müssen ihn perfekt machen, nein er ist perfekt", kommentiert Trump seine Geste.

Macron seinerseits bleibt gelassen, er ist der Sprache des "Sonnenkönigs der Vereinigten Staaten" mächtig. Als Gast des ersten offiziellen Staatsempfangs des US-Präsidentenpaars erntet er die Früchte seiner konsequenten Bemühungen um die Gunst von Trump. Das zeigt: Frankreich ist wieder zurück auf der großen Bühne der internationalen Politik. Nach Jahren der Abstinenz, man könnte es auch die "Hollandesche-Pause" nennen, glänzt Frankreich auf internationalem Parkett. "Vive la France", da ist er wieder der Stolz der Trikolore. Mehr noch, die Einladung der Amerikaner unterstreicht, dass für sie Macron die neue Nummer Eins in Europa ist. Vorbei, die Vorherrschaft Deutschlands, verblasst die Bilder von Angela Merkel und Barak Obama.

"No fake News" - sind noch lange keine News

Trump und Macron Verhandlungen über Iran-Abkommen stagnieren.
Trump scheint resistent gegen Macrons Charme zu sein - zumindest, wenn es um das Iran-Abkommen geht.
© imago/UPI Photo, PAT BENIC, imago stock&people

Nach ihren intensiven bilateralen Gesprächen stellten sich die Präsidenten der Presse. Doch so schön die Bilder des zweiten Tages auch waren, sie wurden nicht von inhaltlichen Durchbrüchen gekrönt. Trumps floskelhafte Einleitung, es handle sich "endlich mal nicht um Fake News, dies ist eine ganz besondere Beziehung" zwischen ihm und Macron, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass die Vorgehensweise hinsichtlich des Iran-Abkommens weitgehend ungeklärt bleibt.

Macron plädiert für ein neues Gesamtkonzept im Umgang mit dem Iran. Der in den USA umstrittene Atomdeal mit dem Islamischen Land sei nur eine von insgesamt vier Säulen der Politik. In einem neuen Abkommen, müsse der Einfluss des Irans im Nahen Osten, die Beschränkung des iranischen Raketenprogrammes und der dauerhafte Verzicht auf Atomwaffen festgelegt werden, erklärt er.

Damit bewegte er sich zwar auf die Forderungen Trumps zu, konnte ihn aber kein finales Statement entlocken. Trump antwortet unbeeindruckt mit der Drohung: "Wenn der Iran uns bedroht, dann wird er einen Preis bezahlen, den wenige Länder bezahlt haben". Diese Aussage unterstreicht, dass Trump sich bis zu der Entscheidung am 12. Mai die Optionen aus dem Abkommen auszusteigen offen hält.

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Der Löwe hat gebrüllt! Auch wenn unklar bleibt, ob Trump aus dem Iran-Abkommen aussteigt oder ob es Macron gelungen ist, die Sicherheitsbedürfnisse Trumps zu befriedigen - es war nicht der einzige Punkt auf der gemeinsamen Sisyphus-Agenda. Mögliche Strafzölle auf Stahl und Aluminium, die Gefahr eines Handelskriegs zwischen Europa und den USA, ein Thema, das Macron als überzeugter Europäer gezielt auf Englisch mit dem Präsidenten besprach.

Trump verkündete davon scheinbar unbeeindruckt, er würde am liebsten nur mit Frankreich verhandeln, die Europäische Union offeriere keine guten Konditionen für sein Land. Macron widersetzt sich den Schmeicheleien und bleibt seiner neuen Rolle als "Europas Klassensprecher" treu. Frankreich gibt es nur gemeinsam mit der EU, diese Bedingung hat Trump am Ende wohl vernommen.

Die konkreten Ergebnisse und eventuellen Erfolge von Macrons dreitägigem Besuch in Washington lassen sich erst in der Zukunft beurteilen, wenn auf die Absichtserklärungen Taten folgen.

Die Bilder des gezähmten, wenn auch noch laut brüllenden Trumps werden in Erinnerung bleiben. Macron ist gelungen, was bisher keiner vollbrachte: mit Diplomatie und einem hohen Maß an Empathie ein Bündnis mit Trump einem möglichen Konfrontationskurs vorzuziehen. In der Ruhe liegt die Kraft.