Tag der Organspende: "Niemand kann zufrieden sein"

10.000 warten allein in Deutschland auf Transplantation

Trotz der zuletzt gestiegenen Zahl an Organspenden warten weiterhin Tausende schwer kranke Menschen auf eine rettende Operation. "Niemand kann zufrieden sein", sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), Axel Rahmel, bei der zentralen Veranstaltung zum Tag der Organspende in Hannover. Man könne mit nur einer Spende bis zu sieben Menschen das Leben retten, so Rahmel. "Was für eine unglaubliche Möglichkeit."

Am 6. Juni ist Tag der Organspende.
Mit einer Spende können Ärzte bis zu sieben Menschen das Leben retten.
dpa, Jan-Peter Kasper

Die Zahl der Organspender war in den ersten fünf Monaten 2015 erstmals seit Jahren wieder gestiegen - bundesweit um fünf Prozent auf 375 (ohne Lebendspender). Es sei zwar noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen, so Rahmel. Die Zahlen bedeuteten für die Menschen auf der Warteliste aber eine vorsichtige Hoffnung. Hinzu kommt, dass nach einer aktuellen Umfrage in Deutschland auch wieder mehr Menschen zu einer Organspende bereit sind.

Dennoch warten mehr als 10.000 schwer kranke Menschen in Deutschland auf eine Transplantation. Und das, obwohl das Thema Organspende in Deutschland durchaus nicht zu den gesellschaftlichen Randaspekten zählt. So kennt jeder zehnte Bundesbürger laut einer Umfrage des Instituts INSA im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) einen Schwerkranken, dessen Überleben von einem Spenderorgan abhängig ist.

"Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil kein Spenderorgan für sie gefunden wird. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Entscheidung gegebenenfalls in einem Organspendeausweis festzuhalten", erklärte PKV-Verbandsvorsitzende Uwe Laue.

"Man sollte immer bedenken, dass man auch Angehörige entlastet"

In Deutschland tun das laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 35 Prozent, also ein Drittel der Bevölkerung. Durch den bundesweiten Tag der Organspende will die DSO mehr Menschen motivieren, einen Organspendeausweis auszufüllen.

"Man sollte auch immer bedenken, dass man auch Angehörige entlastet", sagte Rahmel. Ohne schriftliche Erklärung - beispielsweise auf einem Organspendeausweis - seien trauernde Verwandte nach dem Tod eines Menschen auch noch damit konfrontiert, ob Organe gespendet werden sollen. Rahmel wies darauf hin, dass sich unsichere Angehörige meist gegen eine Organspende entscheiden.

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 3.000 Menschen in Deutschland durch Organspenden gerettet. Einige Empfänger bedankten sich in einer gemeinsamen Aktion für ihre neuen Organe. Ihnen wurden insgesamt 643 Lebensjahre geschenkt.

Als 2012 in Göttingen und anderen Transplantationszentren Manipulationen an der Warteliste aufgedeckt wurden, gingen die Spenderzahlen deutlich zurück. Inzwischen sei eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen worden, um Manipulationen bei der Organvergabe zu verhindern, sagte Rahmel. Dazu gehörte die Einführung des Sechs-Augen-Prinzips bei der Aufnahme der Patienten auf die Warteliste und bei der Übermittlung der Daten an die Zentrale Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hält die Reformen allerdings für nicht weitreichend genug. Es fehle für Patienten ein verbindlicher Rechtsweg, um Wartelisten-Entscheidungen überprüfen zu lassen.