Tag der Entscheidung: Frankreich sagt 'Oui' zu Macron und Europa

Macron gewinnt Stichwahl gegen Le Pen

Die Spatzen hatten es schon lange von den Pariser Dächern gepfiffen und so ist es am Ende auch gekommen: Emmanuel Macron hat die Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten gegen die rechtsradikale Marine Le Pen klar für sich entschieden. Nach ersten Prognosen haben sich gut 66 Prozent der Wähler für den politischen Emporkömmling aus dem französischen Norden entschieden. Die Front-National-Politikerin kam demnach nur auf knapp 34 Prozent.

Allerdings war die Wahlbeteiligung sehr niedrig. Der 39-Jährige wird der jüngste Präsident der V. Republik sein und zieht mit viel Rückenwind in den Elysee-Palast ein. Denn das Ergebnis der Stichwahl gilt als richtungweisend für Europa. Macron verdrängt einen illustren Vorgänger, der seit mehr als 150 Jahren den Titel des jüngsten französischen Präsidenten aller Zeiten innehatte: Louis-Napoléon Bonaparte.

Ungültige Stimmen: Für viele Franzosen ist weder Macron noch Le Pen wählbar

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Vor dem Louvre in Paris feiern die Anhänger Emmanuel Macrons den Wahlsieg ihres Favoriten.
JS, REUTERS, POOL

"Ich danke den elf Millionen Franzosen, die mich gewählt hatten", sagte Le Pen in einer ersten Stellungnahme, in der sie ihre Niederlage eingestand. Sie habe Macron angerufen, um ihm zu gratulieren, so die 48-Jährige. Immerhin holte Le Pen mit mehr als 30 Prozent der Stimmen weit mehr als ihr Vater Jean-Marie im Jahr 2002, der die Stichwahl mit nur 18 Prozent gegen Jacques Chirac verlor.

Die französische Präsidentenwahl war in ganz Europa mit großer Spannung und Nervosität verfolgt worden. Marine Le Pen hatte im Wahlkampf ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft versprochen und ein Ende der Gemeinschaftswährung Euro als normales Zahlungsmittel gefordert. Am Sonntag hatten viele Franzosen ungültige Stimmzettel abgegeben. Denn für viele französische Bürger ist weder der neoliberale Macron noch die ausländerfeindliche Le Pen wählbar.

Erleichterte Reaktionen aus ganz Europa

Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen posiert am 07.05.2017 beim Verlassen ihrer Wahlkampfzentrale in Paris für ein Selfie. Macron tritt in der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich gegen Le Pen von der Front National an. Foto: Fra
Marine Le Pen gestand ihre Niederlage ein.
BC axs, dpa, Francois Mori

Aus ganz Europa kamen gleich nach dem Bekanntwerden des Sieges erleichterte Reaktionen: Regierungssprecher Steffen Seibert gratulierte: "Ihr Sieg ist ein Sieg für ein starkes geeintes Europa und für die deutsch-französische Freundschaft", schrieb Seibert über Twitter.

"Natürlich bin ich erleichtert", sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel. "Wie erwartet hat die politische Vernunft der Franzosen gesiegt gegen die Protagonisten des falschen Patriotismus und die Zerstörer der europäischen Idee", sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir zeigte sich erleichtert. "Danke, Frankreich!", schrieb Özdemir. "Deutschland und Frankreich gemeinsam für ein starkes Europa!"

Selbst die britische Premierministerin Theresa May beglückwünschte den gewählten Präsidenten. "Frankreich ist einer unserer engsten Verbündeten und wir freuen uns darauf, mit dem neuen Präsidenten an einer Reihe von gemeinsamen Prioritäten zusammenzuarbeiten."

​Die traditionellen Parteien sind die großen Verlierer dieser Wahl. Viele Französen wünschten sich einen grundlegenden Wechsel im Land. Darum hatte die rechtspopulistische Kandidatin Le Pen im ersten Wahlgang so großen Zulauf.

Landesweit waren am Sonntag über 50.000 Polizisten im Einsatz, um den Urnengang der Franzosen zu schützen. Nachdem Frankreich in der Vergangenheit immer wieder Ziel terroristischer Anschläge wurde, war die Angst vor neuen Angriffen groß. Zuletzt wurde Mitte April auf der Prachtstraße Champs-Élysées im Herzen von Paris ein Polizist getötet.

Der ehemalige Wirtschaftsminister und Investmentbanker Macron trat unabhängig von etablierten Parteien an, er sei "weder rechts noch links", erklärte er im Vorfeld der Wahl. Mit seiner Bewegung 'En Marche', die er erst 2016 gegründet hatte, will Macron die französische Wirtschaft wieder ankurbeln und wettbewerbsfähig machen. Er setzt außerdem auf enge Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU. Er soll am 14. Mai die Amtsgeschäfte übernehmen.