Tag 3 in Jerez: Vettel, Hamilton & Alonso auf der Piste

Sebastian Vettel erreicht den Circuito de Jerez
© dpa, David Ebener

13. November 2012 - 15:21 Uhr

Heute übernimmt Sebastian Vettel das Lenkrad, er kam gestern gegen 17.20 Uhr in Jerez an: Dreitagebart, geduldiger Beifahrer seines sympathischen Fahrers Cengiz, beäugt und winkend wie einst Queen Mum, als sie durch die Massen ihren Weg fand.

Die ersten Aufgaben des zweimaligen Weltmeisters: Am Briefing des Teams teilnehmen, den ersten Testtag besprechen und noch einige Medientermine wahrnehmen. Überhaupt wird der heutige Tag wohl der interessanteste. Nicht nur Vettel wird sich zum ersten Mal blicken lassen, sondern auch die anderen großen Titelfavoriten, Lewis Hamilton im McLaren und Fernando Alonso im Ferrari.

Nico Rosberg ("Wenn der neue Silberpfeil sich so gut anfühlt wie gestern der alte, dann wird es eine schöne Saison") hatte den freien Tag mit Rennradfahren verbracht, jetzt wird er noch einmal den Mercedes lenken. Michael Schumacher reist wieder heim in die eiskalte Schweiz, nachdem er an Testtag 2 in seinem Gebrauchtwagen die schnellste Runde in den Asphalt gebrannt hatte.

Massa sieht viel Arbeit vor Ferrari

Felipe Massa glaubt, dass das Ferrari-Team noch hart arbiten muss.
Felipe Massa glaubt, dass das Ferrari-Team noch hart arbiten muss.
© dpa, Julio Munoz

Die übrigen Neuigkeiten im Kurzformat:

Pirelli: Die neuen Reifen mit einer größeren Kontaktfläche zum Asphalt machen keinen großen Unterschied im Vergleich zum Vorjahr. Nico Rosberg und Mark Webber dazu: "Unterschiede sind kaum zu spüren!" Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery: "Die Streckentemperaturen sind nicht sonderlich hoch, da konnten wir noch nicht sonderlich viele Daten sammeln." Die Streckentemperaturen lagen bei der frischen Brise konstant unter 20 Grad, alle Beteiligten hatten sich etwas mehr erhofft. Insgesamt werden die Pirelli-Reifen im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Formel 1 eine größere Lebensdauer haben und die Zeitunterschiede zwischen den unterschiedlichen Reifenmischungen geringer ausfallen.

Ferrari: Die Roten aus Maranello warten nun schon seit 2007 auf einen Titel. Letztes Jahr gab es nur einen Saisonsieg durch Fernando Alonso. Felipe Massa schaffte sogar kein einziges Podium. Ferrari ist zum Siegen gezwungen. Das 2012er Auto trägt zum ersten Mal die Handschrift von Pat Fry. Präsident Luca di Montezemolo dazu: "Wir haben alle Zutaten für eine große Zukunft, es liegt jetzt alleine an uns!" Rein von der Zeit her war Felipe Massa am 2. Testtag nur Siebter. Zeiten in den Testwochen sind äußerst relativ zu bewerten, aber ein zufriedener Pilot sieht anders aus als Felipe Massa, der sich den vielen Journalisten nicht besonders gut gelaunt stellte: "Wir haben viel getestet, auch viele langsame Runden gefahren, um jedes Detail kennenzulernen, wie Aerodynamik, Aufhängung, Set-up, Chassis und auch die Reifen. Wir haben ein enormes Potenzial, ein enormes Potenzial zu wachsen. Anders als Red Bull mussten wir einen neuen Weg gehen, viel mehr ändern. Wir müssen noch viel testen, sind erst am Anfang unseres Jobs!" Der Job heißt eigentlich, von Saisonbeginn an wieder um Siege und den Titel mitzukämpfen.

Interessant auch die Frage eines Journalisten: "Felipe, Sie mussten kämpfen, um das Auto auf der richtigen Spur zu halten. Irgendwie schien das Auto nicht ganz okay, oder?" Als Antwort kam kein 'team-verteidigendes' Nein, sondern: "Ja, wir haben noch viel Arbeit vor uns, was aber mit den vielen Änderungen im Vergleich zum Vorjahr verständlich ist." Ferrari dürfte also ein Pulverfass bleiben.

Die anderen Deutschen: Nico Hülkenberg wird nach einer einjährigen Auszeit sein Comeback geben, im Cockpit von Force India. Seine Lust macht schon mal Freude: "Ich bin heiß wie Frittenfett." Und für alle Fans von Timo Glock: Der Virgin-Pilot muß sich noch gedulden. Sein Team setzt als einziges hier in Jerez aus. In Barcelona soll erst das alte Auto an den Start gehen, Glocks neuer Flitzer wird dann wohl bei den letzten Testtagen Anfang März seine Jungfernfahrt geben.

(Jan Krebs)