10. Todestag von Robert Enke

Tabuthema Depression: Teresa Enke kämpft im Namen ihres Mannes

10. November 2019 - 14:42 Uhr

Fußball-Deutschland trägt Schwarz

Es war einer der traurigsten Tage im deutschen Fußball, der 10. November 2009. Heute vor zehn Jahren nahm sich Robert Enke das Leben. Der ehemalige Nationalspieler litt an Depressionen. War seit 2003 in psychiatrischer Behandlung. An diesem düstereren Abend setzte der damals 32-Jährige seinem Leben ein Ende, ließ sich unweit seines Wohnortes Himmelreich von einem Zug erfassen. Heute kämpft seine Witwe Teresa darum, dass sein Tod kein sinnloser war.

Reden als Trauerarbeit

Die 43-Jährige hat das Thema Depression zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Gemeinsam mit dem DFB, Enkes Ex-Verein Hannover 96 und der DFL will sie mithilfe einer Stiftung Aufklärungsarbeit zu diesem Thema leisten, die Öffentlichkeit sensibilisieren. "Dieses Darüber-Reden ist natürlich auch ein Stück der Trauerarbeit. Es ist der Vorteil, den ich gegenüber anderen mit einem ähnlichen Schicksal habe: Mein Mann ist immer noch präsent", sagte sie anlässlich des 10. Todestages ihres Mannes bei einem Podiumsgespräch in Hannover.

Für Teresa war der Tod von Robert nicht der erste schwere Schicksalstag. 2007, zwei Jahre vor dem Suizid ihres Mannes, verstarb ihre gemeinsame Tochter Lara im Alter von drei Jahren an den Folgen eines Herzfehlers. Zwei Jahre später blickte die damals 33-Jährige in einen Abgrund, aus dem es für sie nur einen Ausweg gab: "Ich spreche! Das ist mein Mann, ich möchte nicht, dass jemand anderes spricht. Ich möchte sagen, wie es war, ich hatte das Gefühl, ich bin es Robbie schuldig."

Konkurrenzkampf machte Robert kaputt

Verantwortung für die Krankheit ihres Mannes trägt für Teresa auch der Fußball. Die Medien. "Der von den Medien geschürte Konkurrenzkampf mit Rene Adler – das war schlimm für Robbie. Die Nationalmannschaft war ihm so wichtig, das war sein Traum, aber das hat ihn kaputtgemacht. Robbie dachte, er sei allein. Seine größte Angst war immer, dass er seinen Platz im Tor verliert, wenn er seine Krankheit öffentlich macht."

Der Fußball war und ist eine Leistungsgesellschaft. Wie jede andere kommerzialisierte Sportart auch. Schwächen, Krankheiten, können jedem zum Verhängnis werden, Karrieren beenden. Für Depression ist dort kein Platz. Doch Teresa blickt trotz aller Widerstände positiv auf die vergangenen zehn Jahre zurück. "Im Fußball sehe ich uns tatsächlich schon einen Tick weiter als in der Gesellschaft. Es wird darüber in den Mannschaften gesprochen, es gibt Netzwerke. Es entwickelt sich etwas."

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.