Ausfälle durch Corona-Pandemie

Szene-Veranstalter: "Mit fortschreitender Dauer wachsen die Existenzängste"

Das Amphi-Festival findet jedes Jahr in Köln statt.
© Claudia Schöne

29. Juni 2020 - 14:30 Uhr

Von Denise Kylla

Das Coronavirus hat die Welt noch immer fest im Griff. Die Folgen sind Unsicherheit und wirtschaftliche Schäden. Während die eine Branche Unterstützung vom Staat erhält, müssen andere – so scheint es – für sich selbst sorgen. Eine davon ist die Musik- und Veranstaltungsindustrie. Am 22. Juni haben Veranstalter in ganz Deutschland in der "Night of Light" auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Marco Goethel und Kai Lotze veranstalten seit Jahren mehrere Szene-Festivals, darunter auch das Amphi-Festival mit bis zu 12.500 Gästen. Was die Ausfälle für sie und ihre Mitarbeiter bedeuten, erklären sie im RTL-Interview.

Wie viele Festivals und Konzerte veranstaltet ihr sonst im Jahr?

Pro Jahr veranstalten wir mindestens drei Festivals. Je nach Jahrgang kommen mitunter auch weitere Festivalveranstaltungen hinzu. Dies hängt dann immer ein bisschen von den jeweiligen Ideen und Faktoren ab.

Marco Goethel ist einer der Veranstalter des Amphi-Festivals.
Marco Goethel ist einer der Veranstalter des Amphi-Festivals.
© Patrick Schneiderwind

Welche Festivals sind das?

Neben dem Amphi Festival in Köln veranstalten wir noch das E-tropolis Festival in Oberhausen und die "Unter Schwarzer Flagge"-Cruise auf dem Rhein von Köln nach Königswinter.

Wie schwer haben euch die Einschränkungen durch das Coronavirus getroffen?

Da die Einschränkungen in unserem Fall Veranstaltungsverbote waren (und es noch sind), hat uns diese Situation natürlich sehr schwer getroffen. So waren wir gezwungen, unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken und hoffen, dass unsere Rücklagen für ein Jahr ohne Einnahmen reichen werden.

Was bedeutet es für einen Veranstalter, wenn plötzlich alle Festivals/ Konzerte wegfallen?

Nach dem ersten Schock zunächst viel Arbeit! Neben der Absage an alle beteiligten Dienstleister, müssen Nachholtermine gefunden und anschließend mit allen Bands und Agenturen abgestimmt werden. Danach steht die Öffentlichkeitsarbeit für unsere Besucher und Medienpartner auf dem Plan.

Problematisch ist dabei die Ungewissheit, wann (und in welchem Rahmen) die Veranstaltungen wieder stattfinden können. Mit fortschreitender Dauer der Verbote wachsen auch die Existenzängste - nicht nur bei uns als Geschäftsführer, sondern auch bei unseren Mitarbeitern.

Kai Lotze veranstaltet das Amphi Festival in Köln und noch einige andere.
Kai Lotze veranstaltet das Amphi Festival in Köln und noch einige andere.
© Privat

Ist es für Szene-Festivals schwerer, als für größere Mainstream-Festivals wie Rock am Ring, mit der Lage umzugehen?

Der Aufwand ist vermutlich ähnlich. Ein Unterschied dürfte aber in der wirtschaftlichen Situation liegen. Zum einen dürften Mainstream-Veranstalter ein größeres finanzielles Polster haben, zum anderen sind unseres Wissens viele dieser Mainstream Festivals gegen Pandemie-Ausfälle versichert.

Wie viele Leute betreffen diese Maßnahmen, wenn man nur das Amphi-Festival betrachtet (Tontechnik, Künstler, Händler, etc. - abgesehen von den Besuchern)?

Wenn man die Bands, ihre Crews, Händler und Mitarbeiter der Produktion einrechnet, sind sicherlich über 1.000 Personen insgesamt von der Situation betroffen.

Ihr habt einen T-Shirt-Verkauf gestartet. Was macht ihr sonst noch, um wenigstens ein paar Einnahmen zu haben?

Leider sind die Möglichkeiten in dieser Hinsicht begrenzt. Nach der Festivalabsage hat uns eine überwältigende Solidaritätswelle unserer Besucher erreicht. Anstatt Spendenaktionen oder Geistertickets wollten wir unseren Fans und Besuchern jedoch etwas zurückgeben. Aus diesem Grund haben wir das Supporter-Merchandise (welches neben zwei T-Shirt-Motiven auch Festivalbändchen und Schlauchschals umfasst) gestartet.

Wie haben die Künstler auf die Absage für dieses Jahr reagiert?

Durchwegs verständnisvoll und unterstützend.

Unterstützt man sich untereinander?

Da alle im selben Boot sitzen, ist die Solidarität von allen Seiten groß. Das betrifft nicht nur die Bands, sondern auch die Booking-Agenturen, Dienstleister, Medienpartner und sonstigen Kollegen in der Branche.

Wie treten euch die Fans der Veranstaltungen gegenüber?

Nahezu ausnahmslos verständnisvoll und geduldig. Wir sind den Fans sehr dankbar für die Zeit, die sie uns gegeben haben, um das Festival neu zu organisieren. Das Vertrauen der Fangemeinde in dieser Ausnahmesituation bedeutet uns besonders viel. Dieser Rückhalt hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir das Festival so reibungslos verlegen konnten. Insofern freut es uns den Fans auf diese Weise auch direkt etwas zurückgeben zu können.

Was würdest du dir für das nächste Jahr wünschen?

Wir wünschen uns, dass alle Veranstaltungen wieder so durchgeführt werden können, wie es vor Corona möglich gewesen ist und dass alle Besucher und Beteiligten gesund durch diese Krise kommen.

Vielen Dank für das Interview!

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