Stecken Russen-Hacker dahinter?

Systemausfall: Fitness-Spezialist Garmin komplett down

Viele Sportler nutzen Garmin-Geräte zur Leistungskontrolle. Der Systemausfall beim Unternehmen sorgt jetzt für Probleme.
© REUTERS, BRIAN SNYDER, BS

27. Juli 2020 - 14:29 Uhr

Sportwelt steht online still

Die Sportwelt stand vier Tage lang still. Und Schuld war ausnahmsweise nicht Corona, sondern die Technik. Auch wenn die Jogger und Radfahrer weiter auf der Straße unterwegs waren und die Schwimmer in den Freibädern ihre Bahnen zogen: Die detaillierte Aufzeichnung, Auswertung und Archivierung des Trainings geschieht online. Und nun das: Garmin meldete einen Systemausfall, von Donnerstag über das Wochenende hinweg. Über die Gründe dafür schwieg sich das Unternehmen aus. Auf RTL-Nachfrage wiederholte Garmin lediglich die offizielle Stellungnahme, die es auch auf der Website zu lesen gab: Geht gerade nicht, aber wir tun alles, damit sich das ändert.

Entwarnung: Garmin kommt wieder in Gang

Wer also Garmin-Benutzer ist und sein Training nicht in aufwendig selbst gestalteten Excel-Tabellen oder gar handschriftlich festhielt, stand das Wochenende über auf dem Schlauch. Nichts konnte hochgeladen, nichts konnte mit Freunden oder Konkurrenten geteilt werden. Doch nun gibt es Entwarnung: Auf Twitter trudeln nach und nach die Mitteilungen über ein erfolgreiches Hochladen von Aktivitäten (meist mit Bildbeweis) ein. Alles wieder gut?

Wurde Garmin erpresst?

Nicht wirklich. Die Computertechnik- und Online-Sicherheits-Seite "BleepingComputer" berichtet, Garmin sei Opfer der Ransomware "WastedLocker" geworden. Daraufhin habe sich das Unternehmen entschieden, das System komplett herunter zu fahren. "BleepingComputer" beruft sich auf einen Garmin-Mitarbeiter und eine "mit den Vorgängen vertraute" Person. "WastedLocker" soll die Daten einiger Garmin-Nutzer verschlüsselt haben, für die Entschlüsselung soll Garmin laut einer der Quellen zehn Millionen Dollar Lösegeld zahlen. Für die Behauptungen der beiden Quellen gibt es jedoch keine unabhängige Bestätigung, wie "BleepingComputer" selbst mitteilt. Garmin beruhigte seine Kunden mit dem Statement, dass "kein Hinweis" vorliege, dass irgendwelche Daten betroffen seien.

Garmin wohl Opfer von "WastedLocker"

Hinter "WastedLocker" vermutet man die russische Hackergruppe "Evil Corp", die auch hinter der Malware "Dridex" steckt. "Dridex" hackt sich in den Online-Banking-Zugang der infizierten Computer und automatisiert die Passwörter. So sollen die Hacker insgesamt 100 Millionen Dollar erbeutet haben. Im Dezember letzten Jahres erließ das US-Finanzministerium scharfe Sanktionen gegen die mutmaßlichen Köpfe hinter "Evil Corp". Vermögen in den USA wurde eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger und US-Unternehmen keine Geschäfte mit ihnen machen. Sollte Garmin also tatsächlich Opfer einer Erpressung sein, würde das Unternehmen in der Zwickmühle stecken, da ihnen das Zahlen des Lösegeldes gesetzlich untersagt wäre. Auf der anderen Seite würde ihnen seitens der Erpresser ein riesiges Datenleck drohen. Als Garmin-User kann man also nur abwarten – oder die gute alte Stoppuhr wieder rausholen.