Vater will Kind nach Deutschland zurückholen

In Bericht aus syrischem Flüchtlingscamp: Stefan S. erkennt seine Tochter Hafsa (4)

19. Juni 2019 - 10:09 Uhr

Mutter verschleppte Tochter nach Syrien

Zuerst konnte es Stefan S. selbst kaum glauben: In einem RTL-Bericht über deutsche IS-Waisenkinder in Syrien erkannte er plötzlich seine Tochter Hafsa wieder. Seine Ex-Partnerin hatte sich der Terrormiliz "Islamischen Staat" angeschlossen und das Mädchen nach Syrien verschleppt. Im Video erzählt der Vater, wie es war, seine Tochter plötzlich auf Aufnahmen aus einem Flüchtlingscamp zu sehen.

Kavita Sharma traf das Mädchen zufällig

RTL-Reporterin Kavita Sharma
RTL-Reporterin Kavita Sharma im Al-Hol-Camp.

Stefan S., der nicht erkannt werden möchte, und Hafsas Mutter trennten sich, als sie noch mit dem Mädchen schwanger war. Alles, was er jemals von seiner Tochter gesehen hat, waren ein paar Fotos. Er habe nicht gemerkt, dass sich die Mutter radikalisierte, erzählt er im RTL-Interview unseren Reporterinnen Kavita Sharma und Kathrin Gräbener.

Kavita Sharma traf das vierjährige Mädchen und seine zwei Jahre alte Halbschwester im Mai in einem syrischen Flüchtlingscamp. Die Mutter der Kinder soll im Bombenhagel ums Leben gekommen sein. Die Waisen wurden in der Obhut einer Marokkanerin gelassen, sie war die Nachbarin der Familie.

Vater will Tochter aus dem syrischen Flüchtlingscamp holen

Stefan S. will seine Tochter und ihre Halbschwester jetzt nach Deutschland zurückholen, um den Mädchen ein normales Leben zu ermöglichen. Er kontaktierte das Auswärtige Amt, doch das konnte ihm bisher nicht helfen. "Es wurde immer darauf verwiesen, dass die deutsche Botschaft in Syrien geschlossen sei aufgrund der aktuellen politischen Lage", erzählt Stefan S. Darum sei keine konsularische Betreuung möglich, sagte man dem verzweifelten Vater.

"Ich kann Ihnen sagen, dass wir als Auswärtiges Amt dabei sind, Kindern in prekären Situationen zu helfen", sagte Maria Adebahr, Sprecherin des Auswärtiges Amtes auf der Bundespressekonferenz. Sie bemühten sich darum, "in Einzelfällen eine Rückführung nach Deutschland zu ermöglichen".

Stefan S. will ein normales Leben für seine Tochter Hafsa

Al-Hol-Camp in Syrien
Im Al-Hol-Camp in Syrien herrschen teilweise katastrophale Zustände.
© REUTERS, Ali Hashisho, /FW1F/Philippa Fletcher

Stefan S. will weiterkämpfen, dass er seine Tochter irgendwann in die Arme schließen kann. Bis dahin muss Hafsa weiter in dem Camp ausharren, in dem es laut der Hilfsorganisation an Wasser, Essen und medizinischer Versorgung fehlt. "Dass man diesem Kind nicht die Möglichkeit gibt, ein normales Leben in einer normalen Gesellschaft zu führen, ist für mich unverständlich", meint der Vater.