Syrien: Waffenruhe in Ost-Ghuta – nur eine kurze Ablenkung vom drohenden Tod

Waffenruhe für syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta
Waffenruhe für syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta
© dpa, Uncredited, HM lil bsc

27. Februar 2018 - 14:24 Uhr

Fünf Stunden Ruhe in Ost-Ghuta

Es reicht zum Aufatmen, für mehr aber kaum: Im umkämpften syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta hat eine fünfstündige Feuerpause begonnen. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte soll dort weitestgehend Ruhe eingekehrt sein. Es gab jedoch einige Verstöße. Ein Hubschrauber habe zwei Fassbomben abgeworfen, in einigen Orten seien zudem Granaten eingeschlagen. Die Feuerpause soll Hilfslieferungen für die notleidenden Menschen in der belagerten Region ermöglichen. Außerdem sollen Korridore geöffnet werden, durch die Zivilisten das Gebiet verlassen können. In Ost-Ghuta sind rund 400.000 Menschen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Forderung nach längerer Waffenruhe einmal mehr gescheitert

Die Waffenruhe geht auf eine Anordnung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück. Die Feuerpause soll auch in den nächsten Tagen zwischen 9 und 14 Uhr (Ortszeit – 8 bis 13 Uhr MEZ) gelten. Fünf Stunden Waffenruhe bedeuten nichts anderes als 19 Stunden Krieg, jeden Tag. Die Forderung nach einer 30 Tage langen Waffenruhe, die den Betroffenen eine etwas längere Atempause und den Kriegsparteien und Vermittlern einen möglicherweise wesentlich größeren Spielraum geboten hätte, hatte Russland im UN-Sicherheitsrat noch abgeschmettert.

Diese periodische Waffenruhe scheint somit das Einzige zu sein, das Putin der Welt anzubieten hat, es ist im Grunde nicht einmal ein fauler Kompromiss: Kritiker bemängeln, dass die Feuerpause viel zu kurz sei. Darüber hinaus hätten viele Menschen Angst vor Übergriffen durch syrische Regierungstruppen, wenn sie die belagerte Stadt verlassen.

Was will Putin erreichen?

Es ist fraglich, ob das Zeichen, das Putin aussendet, ein Hoffnungsschimmer ist. Denn die Rolle, die Putin in diesem Konflikt spielt, setzt ihm Grenzen. Zum einen vermuten Beobachter, dass Putin vor den russischen Wahlen am 18. März Erfolge in Syrien vorweisen will, denn Russland war von Beginn an in den Konflikt involviert. Das Land hat seit 1971 eine technische Marinebasis im syrischen Tartus. Das ist Russlands einziger Zugang zum Mittelmeer. Wäre der syrische Machthaber Baschar al-Assad im Zuge des arabischen Frühlings gestürzt worden, hätte Russland die technische Basis wohl verloren. Es gilt den russischen Einfluss in Nahost und den wichtigen Zugang zum Mittelmeer zu bewahren.

Putin musste letztlich aktiv eingreifen, weil Assads Truppen die Niederlage drohte. Immer wenn eine sogenannte Supermacht in einen Konflikt eingreift, erhofft sie sich ein eindeutiges und möglichst schnelles Ende dieses Konfliktes. Ein Blick in die Geschichte und speziell nach Afghanistan zeigt, dass sich diese Hoffnung selten erfüllt.

Wie so viele Kriege zuvor, ist auch der Syrienkrieg ein Stellvertreter-Krieg, denn alle militärisch bedeutenden Staaten mischen mit – als Beobachter, als Aufklärer, als Kämpfer, als Vermittler oder als Anrainerstaat. Doch mit der Dauer des Krieges verwischen die sowieso schon komplizierten Fronten. Das einzige, was bleibt, ist das Leid der syrischen Zivilbevölkerung.