Syrien: Kurdische Flüchtlinge wütend auf Erdogan

19. April 2018 - 9:50 Uhr

RTL-Reporter Dirk Emmerich ist vor Ort

Seit Ende März kontrolliert die Türkei die syrische Region Afrin; in seiner Heimat wird der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan für die Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG gefeiert. Doch die kurdische Bevölkerung leidet, wie unser Reporter Dirk Emmerich vor Ort beobachten konnte.

Türkei kontrolliert Afrin

Es herrscht Unverständnis unter den Kurden in der syrischen Region Afrin. Besonders wütend sind sie auf die Türkei. Erst sei das Land nicht gegen den IS vorgegangen und dann wurde auch noch eine Militäroffensive gegen kurdische Milizen eingeleitet. Seit einigen Wochen ist die YPG zurückgedrängt, die türkischen Streitkräfte kontrollieren die Region. Afrin an die syrische Regierung zurückzugeben? Daran denkt der türkische Staatspräsident Erdogan nicht. "Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir Afrin den Einwohnern Afrins übergeben. Aber wir entscheiden, wann die Zeit dazu ist", ließ er vor einer Woche wissen. Die humanitäre Lage verschlimmert sich derweil weiter. Reporter Dirk Emmerich war in Tal Rifaat, einem 3.000 Einwohner-Dorf, das 27.000 kurdische Flüchtlinge aufgenommen hat.

Die Bevölkerung leidet unter der Situation

Tal Rifaat liegt nur 30 Kilometer von Afrin entfernt. Doch der Ort war auf den Flüchtlingsansturm nicht vorbereitet. Die Lebensmittelversorgung ist schwierig, Bäckereien arbeiten rund um die Uhr. Dirk Emmerich spricht auch mit einer Frau, die mit ihren Kindern vor der türkischen Intervention geflohen ist. Dass Erdogan sie und ihre Familie als Terroristen bezeichnet, macht sie wütend. Die ganze Reportage sehen Sie im Video.

Ermittlungen nach Giftgas-Einsatz in Syrien: UN-Team beschossen

Weiter im Süden, nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus, wurde derweil ein UN-Team beschossen. Die Sicherheitsmitarbeiter sollten in der Stadt Duma den Weg für die Arbeit von Chemiewaffenexperten freimachen. Mitarbeiter der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sitzen seit Tagen in Damaskus fest. Sie wurden von der UN in die Region geschickt, um den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas durch das syrische Militär nachzuweisen. Die Vereinten Nationen bestätigten, dass das Sicherheitsteam beschossen wurde und dabei ein Sprengsatz detoniert sei. Wann mit der Aufklärung des Giftgaseinsatzes begonnen werden kann, sei weiter unklar.