Syrien: Kämpfe in Ost-Ghuta gehen trotz Waffenruhe weiter

25. Februar 2018 - 16:11 Uhr

Iran stimmt Waffenruhe nur bedingt zu

Obwohl sich der UN-Sicherheitsrat auf eine Waffenruhe geeinigt hatte, fielen auch am Sonntag im syrischen Ost-Ghuta wieder Bomben. Allerdings waren die Kämpfe weniger heftig als in den vergangenen sieben Tagen, meldete die oppositionsnahen Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Zeit der Waffenpause soll genutzt werden, um die Zivilbevölkerung mit dringend benötigten Hilfsgütern zu versorgen.

"Terroristen" von Waffenruhe ausgenommen

Sondersitzung UN-Sicherheitsrat in New York zu Ost-Ghuta
Nach tagelangen Verhandlungen hat sich der UN-Sicherheitsrat einstimmig auf eine  mindestens 30 Tage andauernde Feuerpause in Syrien geeinigt.
© dpa, Mary Altaffer, MA hjp

Rebellen erklärten, es habe Kämpfe mit syrischen Regierungstruppen gegeben. Das syrische Militär äußerte sich zunächst nicht dazu. Der Iran - neben Russland wichtigster Verbündeter von Syriens Präsident Baschar al-Assad - erklärte, die Resolution zu respektieren. Gleichzeitig kündigte Militärstabschef Mohammed Bakeri im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Tasnim aber weitere Offensiven in Vororten der Hauptstadt Damaskus an. Ziel seien "Terroristen", die von
der UN-Resolution ausgenommen seien und deshalb ungeachtet der Feuerpause angegriffen werden dürften. Völkerrechtlich bindende Druckmittel enthält die Resolution jedoch nicht.

Im Vorfeld hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Druck auf Russlands Wladimir Putin ausgeübt, einer Waffenruhe zuzustimmen. Die USA forderten ebenfalls eine sofortige Umsetzung der Waffenruhe. Zugleich kritisierten sie, Russland habe eine UN-Entscheidung verzögert.

Humanitäre Katastrophe in Ost-Ghuta

Luftangriffe auf syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta
Zwei Ärzte versorgen einen syrischen Jungen. Das Bild wurde von der regierungskritischen Aktivistengruppe Ghuta Media Center zur Verfügung gestellt und durch einen Abgleich mit AP-Berichterstattung authentifiziert.
© dpa, -, afn

Das seit 2013 von der Regierung belagerte Gebiet mit etwa 400.000 Einwohnern nordöstlich von Damaskus erlebt seit einer Woche die schlimmste Angriffswelle seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden in der sieben Tagen mehr als 500 Menschen getötet, darunter mehr als 120 Kinder. Rettungskräfte erklärten, die Zahl der Opfer könnte aber auch noch weitaus höher liegen. Auch etwa ein Dutzend Krankenhäuser seien getroffen worden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Ost-Ghuta: "Die Menschen können kaum noch schlafen"

Luftangriffe auf syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta
Luftangriffe auf syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta
© dpa, Uncredited, HM lil bsc

Die humanitäre Lage ist Helfern zufolge dramatisch. Die Menschen suchten in Kellern Schutz vor den Bomben. "Wir hören den Lärm der Bombardierung den ganzen Tag und die ganze Nacht, überall. Die Menschen können nicht mehr schlafen", sagt ein Arzt. In den Kellerräumen fehle es an Essen sowie an Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material, sie müssten wegen der großen Zahl an Verletzten sehr lange am Stück arbeiten. Ihm zufolge ist die Lage vor allem für Kinder schwierig. "Du siehst in ihren Gesichtern die Furcht vor dem Lärm der Flugzeuge, der Hubschrauber oder Bombardierungen", sagte Urabi.