Syrer stellen mutmaßlichen Terroristen Jaber al-Bakr: IS-Anschlag in Deutschland vereitelt

Mohammed A. überwältigte seinen syrischen Landsmann Jabber Al-Bakr und übergab ihn der sächsischen Polizei.
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15. Oktober 2016 - 14:39 Uhr

Al-Bakr wollte offenbar Berliner Flughafen angreifen

Aufatmen in Deutschland: Die Polizei hat in der Nacht den mutmaßlichen Terroristen 
Jaber al-Bakr in Leipzig festgenommen. Überwältigt haben den 22-Jährigen aber nicht etwa Beamte, sondern zwei seiner Landsleute, bei denen er übernachtet hat. Inzwischen ist klar, dass der Festgenommene Kontakte zum 'Islamischen Staat' (IS) hatte und offenbar einen größeren Anschlag auf einen Flughafen in Berlin plante.

Jaber al-Bakr war bereits Anfang 2015 nach Sachsen gekommen und ein anerkannter Flüchtling. Mit seiner Festnahme ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz IS in Deutschland vereitelt worden. Der 22-Jährige sei "dringend verdächtig, einen islamistisch motivierten Anschlag mit hochexplosivem Sprengstoff in Deutschland schon ganz konkret vorbereitet zu haben", sagte Generalbundesstaatsanwalt Stefan Biehl. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren. "Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der ARD.

Zwei Syrer hatten al-Bakr laut des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) gefesselt und der Polizei übergeben. Al-Bakr soll den Syrer Mohammed A. am Hauptbahnhof Leipzig angesprochen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt haben. Mohammed A. nahm al-Bakr mit in seine Wohnung im Leipziger Viertel Paunsdorf. Dort fiel ihm der Fahndungs-Aufruf der Polizei bei 'Facebook' auf. Er reagierte geistesgegenwärtig, informierte seine Freunde und alarmierte die Polizei.

"Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen. Wir haben ihm gesagt: 'Du kannst uns soviel Geld geben wie du willst - wir lassen dich nicht frei!' Dann haben wir ein Stromkabel geholt und ihn gefesselt", erzählt Mohammed A., der aus Angst vor Rache anonym bleiben, im Inteview mit RTL. "Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht. Gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat." Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als "mutigen und verantwortungsbewussten" Mitbürger.

Khalil A., der 33 Jahre alte Wohnungsmieter, wurde als möglicher Komplize in Untersuchungshaft genommen. Den Angaben zufolge ist Khalil A. wie al-Bakr als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber erst Ende November 2015. Im Juli sei er aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen gezogen, sagte Ulbig.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Sachsens Innenminister Markus Ulbig sprach von einem "großartigen Erfolg" der Sicherheitsbehörden. "Damit ist es wieder einmal gelungen, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland zu verhindern." Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen "IS-Kontext", sagte der Leiter LKA, Jörg Michaelis. Die sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind wohl identisch mit dem, den Terroristen des Islamischen Staats (IS) in Frankreich und Belgien verwendet haben. Außerdem seien Metallteile wie Muttern und zwei Zünder entdeckt worden. "Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Es herrsche eine "unverändert hohe Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus".

Die Fahndung nach al-Bakr hatte die Sicherheitsbehörden nach einem missglückten Zugriff am Samstagmorgen in Chemnitz das ganze Wochenende in Atem gehalten. Nach einem Hinweis der Bundesamtes für Verfassungsschutz sollte ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen in einer Wohnung im Chemnitzer Stadtteil Kappel festnehmen. Als gegen 7.00 Uhr am Morgen ein verdächtiger Mann aus dem Haus kam, hätten Beamte ihn aufgefordert stehenzubleiben. Aber auch ein Warnschuss hielt den Flüchtenden nicht ab, er entkam. Ob es sich bei dem Mann um Al-Bakr handelte, sei noch unklar, so Michaelis. "Das müssen wir jetzt ermitteln: War er überhaupt in dem Haus? War er die Person, die das Haus verlassen hat?"

Außerdem wurde nun bekannt, dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen an sich zieht. "Die Gesamtschau der Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Person vor hatte, einen islamistisch motivierten Anschlag durchzuführen", sagte eine Sprecherin.

Deswegen habe der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen des Verdachts einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat aufgrund der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Dies bestätigte auch RTL-Terror-Experte Micheal Ortmann: "Wir haben es mit einer Person zu tun, die einen großen Anschlag plante und die sehr wahrscheinlich durch den IS ausgebildet wurde."