Sutil zu Bewährungsstrafe verurteilt

Schock für Adrian Sutil: Verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.
Schock für Adrian Sutil: Verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.
© dpa, Frank Leonhardt

31. Januar 2012 - 18:16 Uhr

Für Adrian Sutil kam es noch schlimmer als befürchtet: Der arbeitslose Formel-1-Pilot ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dazu kommt eine Geldstrafe von 200.000 Euro. Zwei Stunden nach Beginn des zweiten Verhandlungstags vor dem Münchner Amtsgericht verkündete Richterin Christiane Thiemann die Strafe für den blutigen Disco-Streit vor einem Dreivierteljahr in China. Sutil hatte in einer Nobeldisco in Shanghai den Geschäftsmann Eric Lux mit einem Glas schwer am Hals verletzt - unabsichtlich, wie er beteuerte.

Sutil zog nach dem Urteil die Augenbrauen hoch, die Betroffenheit war dem Formel-1-Piloten deutlich anzusehen. "Wenigstens ist es für den Moment erstmal vorbei", sagte der 29 Jahre alte Gräfelfinger. Ob er und sein Anwalt gegen das Urteil Berufung binnen der Frist von einer Woche einlegen werden, ließen sie erstmal offen. Solange ist das Urteil, dass eine Bewährungsdauer von drei Jahren vorsieht, auch noch nicht rechtskräftig.

Viel Positives konnte Sutil dem knapp anderthalbtägigen Prozess nicht abgewinnen. Außer: "Wenigstens haben ich und Herr Lux uns die Hand gegeben. Das war das Schöne daran."

Lotus-Renault-Mitbesitzer Lux trat als Nebenkläger auf. Er hatte Sutil Wochen nach dem Vorfall im Nobelclub M1NT nach dem Großen Preis von China angezeigt. Lux trägt seit dem Vorfall eine neun Zentimeter lange Narbe unweit der Halsschlagader. "Für mich gibt es keine andere Erklärung, als dass es ihm bewusst war, dass der Schlag auf den Hals zu lebensgefährlichen Verletzungen führen kann", sagte Richterin Thiemann in ihrer Urteilsbegründung.

"Vielleicht mache ich jetzt ein Jahr Auszeit"

Sutils Schilderung, dass er Lux zweimal weggeschubst habe, passe nicht zur Aussage des Luxemburgers und auch nicht zu anderen Beweisen. "Nach meinem Verständnis kann es nicht durch Wegstoßen passiert sein", sagte Thiemann. Ein Sachverständiger hatte zudem erklärt, dass das Glas senkrecht auf den Hals getroffen sei. Sutil sei sich auch bewusst gewesen, dass er ein Glas in der Hand gehabt habe. Sutil hatte genau dies in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung bestritten.

Eine außergerichtliche Einigung war wie in den Monaten zuvor auch unmittelbar nach Beginn des zweiten Prozesstages gescheitert. Staatsanwältin Nicole Selzam hatte in ihrem Plädoyer sogar ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 300.000 Euro gefordert.

"Vielleicht mache ich jetzt ein Jahr Auszeit", sagte Sutil, der rund eine Woche vor dem Testbeginn in der Formel 1 kein Cockpit hat. Ob er unter den aktuellen Umständen überhaupt seine Superlizenz als Rennfahrer behalten darf, ist offen. Der Automobil-Weltverband FIA könnte nach dem Urteil Sanktionen einleiten.

Bei Force India war Sutil durch seinen Landsmann Nico Hülkenberg ersetzt worden. Verhandlungen mit anderen Teams scheiterten. Vielleicht schaue er sich nun nach etwas anderem um, meinte Sutil.

Seine Geldstrafe - 8 x 25.000 Euro - soll an eine gemeinnützige Einrichtung gehen. Sie bemaß sich nach Sutils eigenen Angaben über sein Jahreseinkommen 2011: rund 750.000 Euro. Große Sorgen mache er sich nicht, versicherte Formel-1-Spätstarter Sutil, der sein Debüt 2007 mit 24 Jahren gegeben hatte, mit Blick auf seine sportliche Zukunft.