„Man sucht die ganze Zeit die Fehler bei sich selber“

Susan Eife (35) aus Thüringen erwartet ein Baby mit fehlgebildeter Hand

19. September 2019 - 11:50 Uhr

Bei einer Untersuchung erfuhr Susan, dass etwas nicht stimmte

Zuerst lief bei der Schwangerschaft von Susan Eife alles normal, bis die 35-Jährige aus Windeberg in Thüringen einen Termin bei der Feindiagnostik hatte. "Und dann auf einmal war nichts mehr in Ordnung", erzählt die Hochschwangere. Im RTL-Interview kommen ihr immer wieder die Tränen. Auch bei ihrem Baby ist eine Hand nicht vollständig entwickelt. Nach der Diagnose hatte Susan das Gefühl, sie selbst sei für die Fehlbildung ihres Babys verantwortlich. Wie sie mit der schwierigen Situation umgeht, erzählt sie im Video.

Baby ohne Hand: „Ich werde ihn lieben, so wie er ist“

Bei der Untersuchung erfuhr Susan, die bereits zwei ältere Kinder hat, dass ihr Baby mit einer fehlgebildeten Hand und einem Klumpfuß zur Welt kommen wird. Die Ärztin erklärte ihr, dass dem Baby ein Daumen fehlt. An der betroffenen Hand haben sich nur zwei Finger gebildet und auch denen fehlt jeweils ein Glied.

Wenn alles nach Plan läuft, soll der kleine Junge per Kaiserschnitt am 23. September zur Welt kommen. "Ich werde ihn lieben, so wie er ist. Es ist mein Kind", sagt Susan. Aber sie hat trotzdem Angst – nicht davor wie ihr "besonderer" Sohn aussehen wird, sondern davor wie andere auf ihn reagieren könnten. "Er passt halt nicht in die Norm", meint die 35-Jährige. "Er wird's bestimmt nicht einfach haben. Das ist meine Angst."

Es gibt noch weitere betroffene Familien von Babys ohne Händen - Zufall?

Am schlimmsten war für Susan nicht so sehr die Diagnose, sondern die Ungewissheit, die danach kam. "Wo wende ich mich jetzt hin? Wo kann ich mir Hilfe holen?", niemand habe ihr diese Fragen beantwortet, erzählt die 35-Jährige. Sie habe sich allein gefühlt, so als sei sie die Einzige, die in so einer Situation ist. Inzwischen weiß sie, dass sie nicht die Einzige ist.

Allein in den vergangenen drei Monaten wurden in einer Gelsenkirchener Geburtsklinik drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren. Experten sind unsicher, was die Ursache für die Fehlbildungen ist und ob die Fälle zusammenhängen. Auch in Frankreich gab es in den letzten Jahren auffällig viele Fälle. Die Regierung dort hat eine Untersuchung eingeleitet, um den Fällen auf den Grund zu gehen. Aber alles, was man bisher sagen kann: Alle betroffenen Familien wohnen auf dem Land – so wie Susan Eife. Sind Pestizide Schuld an den Fehlbildungen? Genau kann das bisher niemand sagen.

Fehlbildung hat keine genetische Ursache

Susan Eifes Baby hat eine Handfehlbildung
In einer Woche kommt Susan Eifes Baby zur Welt. Es hat eine fehlgebildete Hand.
© RTL

"Es könnte ja so vieles sein", sagt Susan. "Ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen." Und auch eine genetische Ursache konnte inzwischen ausgeschlossen werden. Ihre Familie hat sich von der Humangenetik untersuchen lassen. Die Experten dort konnten nichts Auffälliges feststellen. "Eine Laune der Natur", bekam die Schwangere immer wieder gesagt.

Was jetzt auf sie zukommt, weiß Susan nicht so genau. "Man kann sich auf sowas nicht vorbereiten." Im Moment sei erst mal nur wichtig, dass sie und das Baby die Geburt gut überstehen. Den Rest will Susan auf sich zukommen lassen. Wenn alles gut geht, wird sie in einer Woche ihren Sohn im Arm halten können.