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Superclasico: River Plate gegen Boca Juniors – woher kommt der Hass?

Copa-Finale 10.000 Kilometer entfernt in Madrid
Copa-Finale 10.000 Kilometer entfernt in Madrid Ob die Flucht die Gemüter beruhigt? 00:24

Teams sind heil in Madrid angekommen

River Plate gegen Boca Juniors - das ist oft keine Rivalität mehr, sondern Hass. Die beiden argentinischen Fanlager schrecken vor nichts zurück, das verdeutlichte zuletzt der Angriff auf den Boca-Bus. Im neuen Finalort Madrid sind die Spieler diesmal heil angekommen. Doch vor den Fans herrscht auch in der spanischen Hautpstadt Angst und Schrecken. Die Polizei trifft Sicherheitsvorkehrungen, weitere Hass-Attacken sollen dadurch unterbunden werden. Doch woher kommt eingentlich dieser Groll? 

Der erste Streit - "Rot-Weiß" und "Blau-Gelb"

Boca Farben
Die Farben von den Boca Juniors: Blau-Gelb © Imago Sportfotodienst

Busangriff - Spielabsage - Spielverschiebung: Hass und Emotionen, das Vorspiel des Superclasico-Finals besaß die komplette Bandreite eines Dramas. Die River-Plate-Fans zeigten mit ihrem Angriff deutlich ihre abneigende Einstellung zum Rivalen, doch dieser Hass war nicht immer vorhanden. 

Beide Vereine wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in dem ärmlichen Hafenviertel von Buenos Aires gegründet. Schnell kam es zum ersten Streit, denn sowohl River Plate als auch Boca wollten die Vereinsfarben Rot-Weiß wählen. Ein Entscheidungsspiel sollte schlichten, River Plate gewann. Doch wie bekamen die Bocas ihre Vereinsfarben Blau-Gelb? Laut einem Mythos setzten sich die Verantworlichen des Vereins an den Hafen und beschlossen die Farben des ersten Schiffes anzunehmen - es war ein schwedisches Schifflein. 

Das Duell Arm gegen Reich

ARCHIV - 14.05.2015, Argentinien, Buenos Aires: Fußball: Copa Libertadores, Achtelfinale, Rückspiel, Boca Juniors - River Plate im La Bombonera Stadion. Blick in das Stadion vor dem Spiel. (zu dpa «Argentinien in Atem: Boca und River im Finale der Co
Das "Bombonara", die Pralinenschachtel: Hier ist Boca zuhause © dpa, Nicolas Aguilera, df cda mam ms hak

Allerdings blieb es nicht bei dem "Vereinsfarben-Streit". In den 1930er-Jahren zog River Plate in den noblen Stadtteil Nunez um. Die Seiten waren geklärt und die konträre Einstellung nahm ihren Lauf. Es standen sich ab sofort Arm und Reich gegenüber. Seit dem Umzug spielten die "Bosteros" (Unratsammler) gegen die "Millionarios" (Millionäre). Damals gingen die Fans noch mit Respekt voreinander um. Ab und zu gab es bei Meisterfeiern sogar Anerkennung der Erzrivalen. 

Die Zeit der "Barrabravas"

FILE PHOTO: Soccer Football - Copa Libertadores Final - Second leg - River Plate v Boca Juniors - November 24, 2018 - A fan of River Plate walks in front of riot police after the match was postponed.  REUTERS/Alberto Raggio/File Photo
Spielen die beiden Vereine gegeneinander ist höchste Sicherheit gefragt © REUTERS, Stringer ., FW1F/Toby Davis

Es bleibt die Frage: Wer ist schuld am heutigen eskalierenden Hass zwischen den beiden Fanlagern? Antwort offenbar: Die "Barrabravas", die Ultras. Offiziell sind sie Fanclubs, inoffiziell hierarisch geführte Banden mit einer kriminellen Ader. Bei Boca führen vor allem "La Dolce" (der zwölfte Mann) an, bei River Plate herrschen die "Borrachos del Tablon" (Besoffene von der Holzplanke). 

Anfangs bekamen die "Barrabravas" Unterstützung von ihren Clubs, mittlerweile haben sie sogar in der Lokal- und Regionalpolitik ihre Finger im Spiel und sind im Drogenhandel aktiv. Tragische Bandenkämpfe trugen sich zu: Nach einer 0:2-Niederlage töteten offenbar Boca-Fans zwei River-Anhänger und verkündeten daraufhin zynisch im Fernsehen: "Empatamos" - wir haben ausgeglichen. 2007 starb ein 14-jähriger Junge bei einer Straßenschlacht rund um den Superclasico.

"Mehr Krieg als ein Fußballspiel"

Die Rivalität spitzte sich zu und der Hass vergrößerte sich. Im Achtelfinalspiel der Copa Libertadores 2015 attackierten Boca-Fans die Spieler der "Millionarios" mit Pfefferspray. Das Spiel musste abgebrochen werden. River-Plate-Spieler Leonardo Ponzio sagte damals: "Das ist mehr wie ein Krieg als wie ein Fußballspiel."

Ein Satz, der das Verhältnis zwischen den beiden Rivalen treffend zusammenfasst. In Madrid hoffen nun alle, dass nach dem Sonntag alle vom Fußball reden werden - und nicht vom Fußball-Krieg.​

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