Der 48-Stunden-Putsch

Englische Clubs ziehen Super League den Stecker

21. April 2021 - 8:59 Uhr

Brexit in der Milliardenliga

Das ging Am Ende dann fast schneller, als man "Geld regiert die Welt" sagen kann. Die Super League fällt keine 48 Stunden nach Ausrufung der großen Fußball-Revolution schon wieder spektakulär auseinander.

Englische Teams machen Rückzieher

Totale Implosion der Milliardenliga: Die neue Hyper-Kommerzveranstaltung Super League ist zwei Tage nach Ausrufung der großen Fußball-Revolution höchst spektakulär in sich zusammengekracht – zumindest fürs Erste. Alle sechs englischen Giganten knickten am Dienstag bzw. in der Nacht auf Mittwoch im Proteststurm ein und zogen sich zurück: der FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham Hotspur, der FC Arsenal und der FC Chelsea. Atletico Madrid und Inter Mailand sollen nun ebenfalls kein Interesse mehr haben.

Die Superliga ist damit faktisch tot, bevor sie zum Leben erweckt wurde, und nimmt kleinlaut Abstand von ihren hochtrabenden Plänen. "Wir werden die angemessenen Schritte erwägen, um das Projekt umzugestalten", gaben die Organisatoren bekannt. Allerdings war unklar, wer überhaupt noch hinter dem Projekt steht.

Video: Spuk dauerte 48 Stunden

Die Dominosteine fallen

Bayern München, Borussia Dortmund und Paris St. Germain hatten zuvor schon eindeutige wie schmerzhafte Absagen erteilt. Es sei "die absolut richtige Entscheidung" der englischen Clubs, hatte der britische Premierminister Boris Johnson schon vor dem Fall des ersten Dominosteins Manchester City bei Twitter jubiliert: "Ich hoffe, dass andere folgen."

Das Projekt der "Big 12", zwölf Weltclubs der Superreichen, angeschoben von JPMorgan, wird zur weltweit verspotteten Fehlzündung werden - mit den klaren Siegern FIFA, UEFA und frisch reformierter Champions League, deren ebenfalls kommerzgetriebene Änderungen die Fans nun wohl mit Freude schlucken werden. An der Stamford Bridge jubelten rund 1000 Chelsea-Fans, die eigentlich hatten protestieren wollen.

Manchester City "kann bestätigen, dass sich der Verein aus der Gruppe zurückzieht, die Pläne für eine Super League entwickelt", teilte der Premier-League-Tabellenführer in einem Einzeiler wenig später mit. Die fünf weiteren Clubs schlossen sich an. Manchester Uniteds Geschäftsführer Ed Woodward, eine treibende Kraft hinter der Liga, verkündete seinen Abschied.

Video: Pro und Contra zur Super League

Bayern und BVB verweigerten Teilnahme

Härtere Strafen erwartet die ehemals Abtrünnigen aber wohl nicht. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin reichte die Hand aus. "Ich freue mich sehr, City wieder in der europäischen Fußballfamilie begrüßen zu dürfen. Sie haben große Klugheit gezeigt", lobte der Slowene. Bis zur Wende hatte es ausgesehen, als wollten Real Madrid, Liverpool und Konsorten ihr Ding gegen alle Widerstände durchziehen - dafür wurden sie als "dreckiges Dutzend" angesehen.

Die Fans der deutschen Granden müssen sich nicht sorgen. Rekordmeister FC Bayern München und nach SID-Informationen auch Borussia Dortmund schlossen eine Teilnahme definitiv aus. "Ich darf im Namen des Vorstandes ausdrücklich feststellen, dass der FC Bayern nicht an der Super League teilnimmt", sagte Clubchef Karl-Heinz Rummenigge und betonte: "Der FC Bayern steht solidarisch zur Bundesliga. Für den FC Bayern ist die Champions League der weltweit beste Clubwettbewerb."

Auch der BVB wird auf keinen Fall im Konstrukt mitspielen. Intern ist SID-Informationen zufolge "in Stein gemeißelt", dass sich der Club den Plänen keinesfalls anschließen wird. Ohnehin lag dem Verein von der Liga weder eine Anfrage noch ein konkretes Angebot noch eine Friststellung vor. Aufgrund börsenrechtlicher Pflichten gestaltet sich eine glasklare Kommunikation jedoch schwierig.

Die großen Fußball-Verbände und ihre drei neu gewählten deutschen Topfunktionäre hatten sich auf den gemeinsamen Kampf gegen die Abtrünnigen eingeschworen. Rechtlich wurden die Chancen der Rebellen aber als gut eingeschätzt: "Meiner Einschätzung nach dürfte dies für die UEFA nicht möglich sein", sagte Rechtsanwalt für Sportrecht Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei "Wilde Beuger Solmecke".

Trotzdem suchten der Weltverband FIFA (mit dem neuen Council-Mitglied Peter Peters), die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit dem wiedergewählten Rainer Koch und Karl-Heinz Rummenigge in der Exekutive sowie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Konfrontation. Die 55 Mitglieder der UEFA verabschiedeten zum Abschluss ihres Kongresses einstimmig eine Resolution gegen die Super League.

Das war im DFB-Sinne. "Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Clubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel", sagte Präsident Fritz Keller.

Real-Präsident Florentino Perez wollte sich keineswegs drohen lassen. "Madrid wird nicht aus der Champions League geschmissen, definitiv nicht", sagte der als ESL-Chef vorgesehene Spanier: "Auch nicht sonst wer. Das ist unmöglich. Auch die Spieler können ruhig bleiben."

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