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Super League - Bayern München und Borussia Dortmund könnten in Champions League zurückkehren

RTL-Interview mit Sportrechtler über die Super League

Champions-League-Halbfinale mit Bayern und BVB möglich, aber ...

Von Sebastian Hochrainer

Die Super League entfacht einen Streit zwischen zwölf der größten Clubs in Europa und der UEFA. Nach der Ankündigung der Einführung einer neuen Elite-Liga hat der Kontinental-Verband bereits klargemacht, sich das nicht gefallen zu lassen und Maßnahmen zu ergreifen. Wie groß die Chancen dabei sind, erklärt Christian Solmecke, Rechtsanwalt für Sportrecht.

UEFA kündigt Sanktionen an, Super-League-Boss bleibt cool

Die UEFA reagierte am Montag umgehend auf die neuen Pläne von zwölf europäischen Top-Clubs, eine Super League zu gründen. Der Verband drohte den beteiligten Vereinen, sie von den internationalen Club-Wettbewerben (Champions League, Europa League und zukünftig Conference League) sowie den nationalen Ligen auszuschließen. Außerdem soll es den Spielern dieser Clubs untersagt sein, an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an allen anderen UEFA- und FIFA-Turnieren teilzunehmen.

Florentino Perez, der Boss des Super-League-Vorhabens, ist zu „100 Prozent“ davon überzeugt, dass es diese Strafen nicht geben werde. „Unmöglich“ sei das. Weder in der Zukunft noch sofort – entsprechend würden Real Madrid, Manchester City und der FC Chelsea im Halbfinale der Champions League antreten dürfen. Doch wer hat nun Recht? Können die UEFA und die Fifa die angekündigten Sanktionen aussprechen, oder ist die Super League auf der sicheren Seite? RTL.de sprach mit dem Rechtsanwalt für Sportrecht Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei „Wilde Beuger Solmecke“ über die Chancen der UEFA.

VIDEO - FIFA-Boss droht Super-League-Clubs: "Dann müssen sie mit Konsequenzen leben"

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Rechtslage hat Potenzial für eine Auseinandersetzung zwischen Super League und UEFA

Christian Solmecke, Sportrechtler aus Köln
Christian Solmecke gehört zur Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE.
Tim Hufnagl, Foto: Tim Hufnagl - all rights reserved

Herr Solmecke, können die UEFA und FIFA die Vereine aus der Super League aus internationalen und nationalen Klub-Wettbewerben verbannen?

Solmecke „Meiner Einschätzung nach dürfte dies für die UEFA nicht möglich sein. Erst im Dezember des vergangenen Jahres hatte das Europäische Gericht (EuG) in Luxemburg über einen ähnlich gelagerten Fall zu entscheiden. Die In­ter­na­tio­na­le Eis­lauf-Union (ISU) regelte in ihren Statuten, dass, wenn Sportler der ISU-Mitgliedsverbände an nicht genehmigten Wettbewerben teilnehmen, diese u.a. mit einer lebenslangen Sperre belegt werden können. Das EuG schob diesen Regeln jedoch einen Riegel vor und entschied, dass die ISU un­recht­mä­ßig an­de­re Ver­an­stal­ter bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von Wett­kämp­fen be­hin­dert habe. Damit habe der Ver­band gegen EU-Wett­be­werbs­re­geln ver­sto­ßen. Die ISU müsse daher die Regeln ändern. Ähnlich wie die UEFA verfügt die ISU über eine Art Monopol auf dem entsprechenden Sportartmarkt. So sehe ich den Fall daher auch im aktuellen Fall der UEFA und der Super League. Die UEFA muss meiner Ansicht nach Wettbewerb zulassen und darf die Vereine sodann nicht ausschließen.“

Also keine Chance für die UEFA?

Solmecke „Das Urteil gegen die ISU kann noch vor dem Europäischen Gerichtshof angefochten werden. Zudem darf auch nicht die Macht der UEFA unterschätzt werden. Der Fußball hat letztendlich doch eine ungleich größere Wucht als der Eisschnelllauf. Die Lobbyarbeit dürfte daher hinter den Kulissen bedeutend massiver ausfallen.“

Änderungen in der Champions League rechtlich möglich

Ist es möglich, dass im laufenden Champions-League-Wettbewerb Manchester City, Real Madrid und der FC Chelsea ausscheiden und beispielsweise Bayern München und Borussia Dortmund in das Champions-League-Halbfinale nachrücken?

Solmecke „Die UEFA prüft dies derzeit selbst, was zeigt, dass die Statuten einen Ausschluss aufgrund der aktuellen Vorgänge nicht klar und eindeutig regeln. Schaut man sich die Regelungen allerdings an, bin ich davon überzeugt, dass die UEFA einen Ausschluss und ein Nachrücken wohl rechtfertigen kann. Dies aber sollte sich die UEFA sehr gut überlegen, denn dass die aktuellen Statuten einen Ausschluss eventuell rechtfertigen, bedeutet nicht, dass die Vereine und Spieler vor Gericht am Ende verlieren. Am Ende bleibt es dabei: Die UEFA hat aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wohl ein Nachsehen. Ein Ausschluss würde enorme Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.“

Dürfen die UEFA und FIFA Spielern von Super-League-Teams verbieten, an EM- und WM-Turnieren teilzunehmen?

Solmecke „Die UEFA-Statuten ermächtigen zu Disziplinarmaßnahmen gegen ihre Mitgliedsverbände sowie einzelne Vereine, wenn den Statuten, Reglements, Beschlüssen und Weisungen der UEFA zuwidergehandelt wird. Als Disziplinarmaßnahmen kann auch der Ausschluss aus laufenden oder zukünftigen Wettbewerben beschlossen werden. Selbst wenn sich die UEFA mit dem Ausschluss der Spieler von EM- und WM-Turnieren auf die UEFA-Statuten berufen kann, bleiben allerdings die bereits erwähnten Bedenken wegen Verstößen gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Denn auch hiermit will die die UEFA den Wettbewerb mit der neu gegründeten Super League unterbinden.

Zu beachten ist auch, dass die betroffenen Spieler, welche beim Streit zwischen der UEFA und den Gründungsmitgliedern der Super League zwischen den Stühlen stehen, Schadensersatzansprüche gegen die UEFA geltend machen können. Arbeitsrechtlich können sie nämlich nicht entscheiden, in welchem Wettbewerb sie spielen. Werden sie für Spiele in der Super League aufgestellt, werden sie sich nicht arbeitsrechtswidrig verhalten wollen und den Einsatz verweigern. Sollte das ein Verbot der Teilnahme an einer EM oder WM zur Folge haben, werden sie sich wohl mit Schadensersatzansprüchen an die UEFA wenden.“

Gibt es eigentlich rechtliche Bedenken, eine Super League zu gründen?

Solmecke „Man muss hier natürlich die Statuten der UEFA als Vertragsrecht und das EU-Wettbewerbsrecht als Gesetzesrecht – basierend auf dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union – auseinanderhalten. Möglicherweise kann die UEFA überzeugend begründen, dass mit der Gründung der Super League gegen ihre Statuten verstoßen wird, die Gründervereine der Super League sich also vertragsbrüchig verhalten haben.

Eine solche Auslegung und entsprechende Sanktionen können dann jedoch – wie bereits dargelegt – gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoßen, sodass die UEFA letztendlich keine rechtliche Handhabe gegen die Gründung der Super League hat. Erst einmal dürften die Gründer der Super League also das entscheidende Gesetzesrecht auf EU-Ebene auf ihrer Seite haben.“