Mark Nzeocha greift nach den Sternen

Damit Sie mitreden können: Das ist unser Star im Super Bowl

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29. Januar 2020 - 12:03 Uhr

Von Sebastian Fuhrmann

Am 2. Februar steigt in Miami das größte Sportspektakel der Welt: Die San Francisco 49ers und die Kansas City Chiefs ringen um den Super Bowl. In der Glamour-Metropole am South Beach kämpft mit Mark Nzeocha auch ein Deutscher um die Krone. Wer ist unser Mann im Football-Zirkus? Und was kommt eigentlich auf einen Sportler vor so einem Endspiel zu? Der Deutsche Sebastian Vollmer hat den Super Bowl zweimal gewonnen und erklärt bei RTL, warum die Zeit vor dem Spiel extrem anstrengend ist.

Mark Nzeocha lebt den amerikanischen Traum

Vor zehn Jahren spielte Mark Nzeocha noch in Rothenburg ob der Tauber. Wer es nicht so mit Geographie hat: Das ist in der Nähe von Nürnberg. Beim lokalen Football-Team, den "Franken Knights", lernte der heute 30-jährige gebürtige Ansbacher sein Handwerk. 3.500 Zuschauer gehen ins Stadion des Clubs.

Das beschauliche Franken hat der Deutsche gegen Glanz und Glamour ausgetauscht. Heute spielt er in Arenen wie der seiner San Francisco 49ers, dem Levi's Stadium mit knapp 70.000 Plätzen und knackevollen VIP-Logen. Unser Mann beim Super Bowl lebt den amerikanischen Traum. Aus dem Nirgendwo hat er sich hochgearbeitet bis in den Football-Olymp. Sein aktueller Vertrag läuft über drei Jahre und sichert ihm insgesamt 4,75 Millionen Dollar.

Von Dallas Cowboys entlassen

Der Weg dorthin war alles andere als leicht. Nzeocha wechselte ans College, nachdem er beim Gewinn der European Junior Championship 2008, ein Turnier für die besten Nachwuchsleute, das Interesse der Talentspäher aus Übersee auf sich gezogen hatte. In Wyoming, im Nordwesten der USA, lief es aber nicht sofort rund. "Hier ist es viel schneller und härter", sagte der Deutsche einmal. "Aber ich bin nicht hier rüber gekommen, um ein bisschen zu spielen. Ich will spielen und mich mit den Besten messen."

Sein Eifer wurde belohnt. 2015 wurde der Deutsche an 236. Stelle der Draft, der jährlichen Talentauswahl, von den großen Dallas Cowboys in die NFL geholt. Dort ging der "Struggle" weiter. Nzeocha wurde entlassen, als Trainingsspieler zurückgeholt, dann nahmen ihn die 49ers unter Vertrag, für die er kontinuerlich abliefert. In der Regular Season der laufenden Saison kam der 29-Jährige auf insgesamt zehn Tackles, so nennt man es, wenn ein Spieler einen Gegenspieler, der den Ball hat, zu Boden ringt. In der vergangenen Saison wäre Nzeocha beinahe in den Pro Bowl, das Schaulaufen der besten Spieler der Saison, gewählt worden.

Privat läuft es für den Deutschen sowieso rund. Söhnchen Cameron James kam im Mai vergangenen Jahres zur Welt.

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Linebacker und Special-Teamer

Auf dem Platz hat der 1,90 Meter große und 110 Kilo schwere Deutsche seinen Platz in der Defensive. Als Linebacker spielt er eine zentrale Position. Keine so einfache Rolle, denn die Anforderungen sind hoch. Linebacker müssen extrem fit und spielintelligent sein. Und Nzeocha ist noch Teil der Special Teams, die nur in besonderen Spielsituationen zum Einsatz kommen.

"Als Linebacker bringt Mark die richtigen Eigenschaften für den Job im Special Team mit. Er ist stark und schnell, man braucht ein gutes Spielverständnis und eine gute Auffassungsgabe. Mark muss sich schließlich auf seine Aufgaben als Linebacker und die Rolle im Special Team vorbereiten", sagt Sebastian Vollmer, der mit den New England Patriots an der Seite von Superstar Tom Brady 2014 und 2016 den Super Bowl gewonnen hat. Der ehemalige Offensive Tackle kennt den Rummel, der auf Nzeocha und seine Teamkollegen einprasseln wird.

epa04567970 New England Patriots Sebastian Vollmer (L) and Vince Wilfork (R) celebrate after the AFC Championship game at Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, USA, 18 January 2015. The Patriots defeated the Colts and will go on to face the
Sebastian Vollmer (links) im Trikot der New England Patriots.
© dpa, Cj Gunther

Spagat zwischen Vorbereitung und Ruhe

"Für die Spieler ist die Zeit vor dem Super Bowl eine stressige Phase: Sie müssen Tickets für Familie und Freunde organisieren, viele Leute melden sich. Sobald sie am Spielort ankommen, geht es los mit dem Medienrummel", sagt der 35-Jährige, der seine Karriere beendet hat. "In den Tagen vor dem Spiel studiert man den Gegner extrem genau, aber irgendwann hast du jedes Spiel gesehen und musst auch mal abschalten. Das ist ein großer Spagat." 

Ein Fakt, der die Größenordnung des Wahnsinns einordnet: Tickets für den Super Bowl kosten laut dem amerikanischen Sportportal "CBS Sports" im Wiederverkauf durchschnittlich 9.590 Dollar. Vor den Fernsehern verfolgen das Spektakel allein in den USA jedes Jahr um die 100 Millionen Menschen.

Vollmers Rat? "Er braucht keinen"

Was Vollmer seinem Kollegen raten würde? "Er braucht keine Hilfe, er ist Profi", sagt der Mann, der aus Kaarst bei Düsseldorf stammt. "Mir selbst hat es unheimlich geholfen, jemanden zu haben, der einem den Rücken freihält. In meinem Fall war das meine Frau, die viel von mir ferngehalten und organisiert hat."