Suhl: Nervenkrieg nach Geiselnahme unblutig beendet

Polizei- und Krankenwagen stehen vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt in Suhl-Goldlauter (Thüringen).
Polizei- und Krankenwagen stehen vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt in Suhl-Goldlauter (Thüringen).
© dpa, Michael Reichel

30. März 2013 - 16:43 Uhr

Geisel und Geiselnehmener blieben unverletzt

Eine stundenlange Geiselnahme im thüringischen Gefängnis Suhl-Goldlauter ist in der Nacht zum Samstag unblutig zu Ende gegangen. Spezialkräfte der Polizei hätten den 52 Jahre alten Geiselnehmer überwältigt und festgenommen, sagte ein Polizeisprecher am frühen Samstagmorgen. Die Geisel, eine 26 Jahre alte Angestellte der Justizvollzugsanstalt, kam unverletzt frei. Auch der Geiselnehmer blieb unverletzt.

Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) wirkte von einer Zentnerlast befreit: "Die Forderungen des Geiselnehmers erschienen uns sehr wirr. Wir sind alle sehr erleichtert und froh, dass es beendet ist - und keine Schusswaffen eingesetzt werden mussten, die Geisel nicht verletzt wurde." Ihre Eltern seien bei ihr. Weitere Details, etwa wie der Häftling die Gefängnis-Angestellte in seine Gewalt bekam und, ob es einen Hintergrund für den Gewaltausbruch des Mannes gibt, ließ er offen.

Der mit einem Messer bewaffnete Häftling hatte die Frau am Nachmittag des Karfreitags in einem Zellentrakt in seine Gewalt gebracht. Der Mann, der wegen Gewaltdelikten in der JVA einsitzt, forderte einen Rechtsbeistand und die Verlegung in ein anderes Gefängnis. Eine Verhandlungsgruppe der Polizei nahm Kontakt zu dem Mann auf, ein Sondereinsatzkommando rückte an. Vor dem Gefängnis fuhren Krankenwagen vor.

Schon 1993 gab es in Suhl eine Rebellion - wegen zerkochter Klöße

Dass die Tat etwas mit dem langen Osterwochenende zu tun habe, sei unwahrscheinlich, sagte Poppenhäger weiter. Mehrere Feiertage hintereinander wie an Weihnachten oder Ostern gelten in Gefängnissen als kritische Tage. Bereits Weihnachten 1993 hatten Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Suhl-Goldlauter wegen zerkochter Klöße rebelliert.

Die Justizvollzugsanstalt Goldlauter in Suhl ist ein Gefängnis für Männer und verfügt über insgesamt 332 Haftplätze. 310 davon sind laut Website der JVA für den geschlossenen Vollzug vorgesehen, 22 für den offenen Vollzug. Derzeit sind dort insgesamt 167 Bedienstete tätig. Derzeit gibt es in Thüringen sieben Justizvollzugseinrichtungen mit insgesamt rund 2.000 Haftplätzen.