Südkorea: Taucher bergen erste Leichen aus gesunkener Fähre

Hoffnung auf Überlebende schwindet

Rettungstaucher haben zum ersten Mal seit dem Untergang des südkoreanischen Fährschiffs 'Sewol' vor vier Tagen mehrere Leichen aus dem Innern des Wracks geborgen. Von Samstagnacht bis Sonntagvormittag (Ortszeit) seien mehr als ein Dutzend Tote aus dem gesunkenen Schiff gezogen worden, berichteten südkoreanische Fernsehsender unter Berufung auf die Küstenwache. Anzeichen von Überlebenden gab es bislang nicht.

Sewol Südkorea Taucher bergen erste Leichen
Rettungstaucher suchen unter schweren Bedingungen nach Leichen.
dpa, Yonhap

Zuvor hatten die Rettungsmannschaften nur Leichen im Wasser in der Nähe der Unglücksstelle gefunden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer der Katastrophe erhöhte sich zunächst auf über 60. Noch gelten rund 240 der 476 Insassen als vermisst. Es wird befürchtet, dass viele Passagiere im Innern der Fähre eingeschlossen wurden. Doch die Hoffnung schwindet, dass wenigstens einige von ihnen überlebt haben könnten.

Die dritte Offizierin, die zum Unglückszeitpunkt auf der Brücke der 'Sewol' stand, hat die schwierige Strecke nach Medienberichten zum ersten Mal befahren. Durch die Gewässer, die für ihre starke Strömung bekannt sind, wurde vorher noch nie ein Schiff von ihr gesteuert. Dies berichtet der staatliche Sender Arirang unter Berufung auf die Ermittler.

Die Offizierin wurde zusammen mit dem Kapitän und einem weiteren Crewmitglied verhaftet. Dem Kapitän wird unter anderem Verletzungen des Seerechtes und Fahrlässigkeit vorgeworfen. Er soll die sinkende 'Sewol' im Stich gelassen haben. Zeugen hatten berichtet, dass er die Fähre als einer der ersten verlassen habe. Zudem stand er im Unglückszeitraum nicht auf der Brücke, sondern die dritte Offizierin. An die 26-jährige hatte er die Steuerung des Schiffes vorher abgegeben.

Nach seiner Vorführung vor dem Gericht in Mokpo erklärte der Kapitän, dass er die Evakuierung der Fähre aus Sicherheitsgründen herausgezögert habe. Zum Unglückszeitpunkt sei die Strömung so stark gewesen, dass sie die Insassen möglicherweise fortgerissen hätte.

Internationale Anteilnahme: Obama sendet US-Marine

Die 'Sewol' war am Mittwoch in Seenot geraten und gekentert. Als Ursache wird ein scharfer Kurswechsel vermutet. Dadurch seien Autos und Container verrutscht, sodass das Schiff möglicherweise in Schieflage geraten ist. Für die Ermittler steht fest, dass der Ort des Kurswechsels auch der Ort der Havarie ist. Sie schließen nicht aus, dass die Fähre einen Felsen unter Wasser gerammt hat.

US-Präsident Obama schickte indes Einsatzkräfte der US-Marine. Außerdem sprach er den Angehörigen der Vermissten und Opfer im Namen des amerikanischen Volkes sein Mitgefühl aus. Auch Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich erschüttert: "Wir trauern um die vielen Menschen, die beim Untergang der 'Sewol' umgekommen sind und wünschen uns, dass unter den Vermissten noch Überlebende geborgen werden können", so Steinmeier.

Insgesamt waren 476 Menschen an Bord, darunter 325 Oberschüler aus der Nähe von Seoul. Auf der Insel Chindo hat sich einer ihrer Lehrer erhängt. Der Mann war stellvertretender Direktor der Oberschule nahe Seoul, von der ein Großteil der jungen Passagiere kam. Offensichtlich habe er Schuldgefühle gehabt, weil er gerettet wurde, während viele unter seiner Obhut mitreisende Schüler vermisst werden, berichtet die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die Polizei.

174 Menschen konnten gerettet werden, darunter der Kapitän und die meisten der anderen 28 Besatzungsmitglieder. während der Rest als vermisst gilt. Angehörige hoffen nach wie vor, dass noch Überlebende gerettet werden können. Einige der Passagiere könnten Experten zufolge den Untergang zunächst in einer Luftblase überlebt haben. Allerdings sei es angesichts der niedrigen Wassertemperatur und des schwindenden Sauerstoffs schwierig, darin mehr als zwei Tage zu überleben.