Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela ist tot

8. April 2015 - 18:41 Uhr

"Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren"

Die Welt trauert um einen großen Menschen, Südafrika um seinen Nationalhelden: Nelson Mandela ist tot. Der Friedensnobelpreisträger ist am Donnerstagabend im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Johannesburg gestorben. "Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren", sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma mit bedrückter Stimme. Dies sei ein Moment "tiefster Trauer" für alle Südafrikaner. "Nelson Mandela brachte uns zusammen, und zusammen nehmen wir Abschied von ihm."

Nelson Mandela tot
Der frühere südafrikanische Präsident starb im Alter von 95 Jahren.
© dpa, Jon Hrusa

Vor dem Haus des Freiheitskämpfers im Johannesburger Vorort Houghton versammelten sich umgehend hunderte Menschen zu einer spontanen Gedenkfeier. Viele tanzten und sangen, einige hielten Bilder des "Vaters der Nation".

Der Leichnam Mandelas wurde in das Militärkrankenhaus von Pretoria gebracht. Im ganzen Land wehten die Fahnen auf halbmast, alle Radio- und Fernsehstationen brachten fast nur Berichte über den verstorbenen Friedensstifter. Viele Menschen kamen mit einem schwarzen Trauerflor zur Arbeit.

Für diesen Sonntag kündigte Präsident Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. Die zentrale Trauerfeier mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt soll dann am Dienstag im größten Fußballstadion des Landes, dem FNB-Stadion von Johannesburg, stattfinden. Danach wird der Leichnam vom 11. bis 13. Dezember in der Hauptstadt Pretoria öffentlich aufgebahrt, damit sich die Südafrikaner von ihrem Nationalhelden verabschieden können. In Qunu am Ostkap, wo Mandela aufgewachsen ist, soll er am 15. Dezember beigesetzt werden. "Wir werden eine Woche lang trauern. Und wir werden auch eine Woche lang sein erfülltes Leben feiern", erklärte Zuma.

Sein Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem hatte Mandela weltweit größtes Ansehen eingebracht. 27 Jahre lang saß er für seine Überzeugungen in Haft, ehe er 1994 erster Präsident des demokratischen Südafrikas wurde. Mandela war es, der den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland ebnete.

Erster Präsident des demokratischen Südafrikas

Auf allen Kontinenten erinnerten Politiker an sein Wirken voller Mut und Kraft zur Versöhnung. Mehrere Friedensnobelpreisträger würdigten Mandelas Lebenswerk, darunter der frühere Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Südafrikas Ex-Präsident Frederik de Klerk. Der Weggefährte Mandelas war 1993 gemeinsam mit ihm ausgezeichnet worden.

Der ehemalige Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, pries bei einem Gedenkgottesdienst in der anglikanischen St. George Kathedrale in Kapstadt seinen ehemaligen Weggefährten im Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem. "Das Land hat seinen Vater verloren", sagte Tutu. Die einstige Freiheitsbewegung und heutige Regierungspartei ANC rief die Südafrikaner auf, nicht zu verzweifeln. "Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat."

Mandelas Gesundheitszustand hatte seit langem große Sorge ausgelöst. Über Monate hieß es, er befinde sich "in stabilem, aber kritischem Zustand". Im Sommer war er wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Vor drei Wochen hatte Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela berichtet, der 95-Jährige könne nicht mehr sprechen. "Er kommuniziert über sein Gesicht", sagte sie. Seine letzten Wochen verbrachte Mandela im Kreis seiner Familie.