Schnapsidee oder gutes Konzept?

Suchtprävention in Brandenburg: Saufen gibt's hier als Schulfach

22. Februar 2019 - 13:49 Uhr

Kontrolliertes Trinken zur Verbeugung

An einer Schule in Brandenburg wird im Unterricht gesoffen - und zwar ganz offiziell mit dem Einverständnis der Eltern. Gefördert wird die Aktion von Steuergeldern. Ein schlechter Scherz?

„Lieber schlau als blau“

Hinter der Aktion steckt das Projekt "Lieber schlau als blau", das der Sucht-Vorbeugung dienen soll. Ganz neu ist das Projekt nicht. Entwickelt hat es 2007 Suchtexperte Johannes Lindenmeyer als Reaktion auf vermehrtes Komasaufen unter Jugendlichen - quasi als neuer Weg der Suchtprävention, wie Carsten Schroeder, Projektleiter von "Lieber schlau als blau", erklärt. Seit zehn Jahren wird es auch bundesweit angeboten.

Durch eine Veranstaltung der Templiner Oberschule in Brandenburg ist es jetzt aber erneut in die Öffentlichkeit gerückt. 90 Schüler der neunten Klasse werden hier eingeladen, unter Aufsicht Alkohol zu trinken. Und das nicht zu wenig: bis zu 0,8 Liter Wein oder 1,3 Liter Bier sind drin. Die 14- bis 15-jährigen Schüler sollen durch das kontrollierte Trinken die Folgen von Alkohol kennenlernen. Unterstützt wird das Projekt seit Jahren von der brandenburgischen Landesregierung.

Eltern sind empört - aber was sagen Experten?

Um bei dem Test mitzumachen, benötigen die minderjährigen Schüler eine Einverständniserklärung der Eltern. Mit einem Kreuzchen können die hier entscheiden, ob ihre Kinder unter Aufsicht trinken dürfen - und wie viel. Allerdings nimmt kein Jugendlicher teil, der nicht zuvor bereits Alkohol konsumiert hat, wie Lindenmeyer ntv.de erklärt.

Empört wandten sich nun einige Eltern an die Presse - und auch die erste Krankenkasse kritisiert das Präventionsprojekt. "Das Trink-Experiment lehnen wir strikt ab, weil Kinder keine Versuchskaninchen sind", erklärte Stefan Poetig von der DAK dem "Nordkurier". "Das probeweise Trinken könnte gefährlich sein, da niemand die Wirkung von Alkohol auf die Minderjährigen einschätzen kann."

Ob das ungewöhnliche Projekt trotzdem Erfolg hat und was Experten dazu sagen, sehen Sie im Video.