11. Juli 2019 - 22:30 Uhr

Emanuela Orlandi wird seit 36 Jahren vermisst

Die Ermittler hofften, einen 36 Jahre alten Vermisstenfall endlich aufklären zu können: Auf dem deutschen Friedhof im Vatikan wurden heute zwei Gräber geöffnet. Aufnahmen davon zeigen wir im Video. 1983 verschwand die damals 15-Jährige Emanuela Orlandi spurlos. Ihre Familie erhielt vor Kurzem einen anonymen Hinweis, dass die Leiche des Mädchens auf dem Campo Santo Teutonico begraben sein soll. Als die Ermittler das nun überprüfen wollten, stießen sie aber auf ein neues Rätsel.

Liegt die Vermisste in einem Grab mit Engelsstatue?

Wo ist Emanuela Orlandi?
Emanuela Orlandi (15) verschwand 1983 auf dem Weg vom Musikunterricht nach Hause.
© imago/Independent Photo Agency, Mario Proto / Giacominofoto / IP, imago stock&people

Pietro Orlandi, der Bruder der Vermissten, wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich zu erfahren, was am 22. Juni 1983 mit seiner Schwester passiert ist. Die Familie lebte damals im Vatikan, weil der Vater als päpstlicher Diener arbeitete. Das Mädchen fuhr an dem Tag zu einer Unterrichtsstunde in ihrer Musikschule in Rom, kehrte aber nie zurück. Seitdem ranken sich wilde Theorien um den Fall, denn die Ermittler konnten nie klären, was mit der 15-Jährigen passierte.

Im März 2019 erhielt die Familie Orlandi einen anonymen Hinweis: Sie sollten in einem Grab mit einer Engelsstatue suchen. Der Vatikan erlaubte Kriminaltechnikern daraufhin, zwei Gräber auf dem Friedhof innerhalb der Mauern des Kirchenstaates zu öffnen. Auch Pietro Orlandi war bei der Graböffnung dabei. Doch der Inhalt der Gräber war für alle eine Überraschung.

Die Gräber waren komplett leer

Sie fanden keine Spur der Vermissten Emanuela, aber auch ansonsten waren keine Gebeine in den Gräbern von Sophie von Hohenlohe, gestorben 1836, und von Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg, gestorben 1840. "Der Sarkophag war komplett leer", erzählte der Bruder der Vermissten nach der Suchaktion.

Er war erleichtert, dass seine Schwester nicht in einem der Gräber lag. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte", sagte Orlandi. "Es wäre sehr schmerzhaft für meine Mutter. Sie lebt immer noch im Vatikan, nur 200, 300 Meter von dem Friedhof entfernt", sagte er dem Sender BBC bereits vor der Suchaktion. Die Vorstellung, dass sie all die Jahre so nahe an ihrer toten Tochter gewesen wäre, ohne es zu wissen, sei einfach schrecklich.

Der Vatikan muss noch jetzt noch ein weiteres Rätsel lösen

Allerdings müssen sich jetzt zwei weitere Familien, die gleichen Fragen stellen wie die Orlandis. Denn in den Gräbern hätten eigentlich zwei tote Frauen liegen sollen. Der Vatikan muss jetzt also auch noch klären, was mit den Gebeinen dieser beiden Toten passiert ist. Und wusste der anonyme Hinweisgeber, dass die Gräber leer sind? Wurden die Ermittler absichtlich auf diese Spur gelockt? Gibt es doch eine Verbindung zu Emanuela? Der Vermisstenfall wird dadurch weniger rätselhaft.

Auch wenn die Graböffnung mehr Fragen aufwirft, als sie klären kann, war sie für Pietro Orlandi trotzdem ein Erfolg. Der Vatikan habe so immerhin "auf gewisse Weise" zugegeben, dass es eine Verantwortung des Kirchenstaates gibt. Dafür hatte die Familie jahrelang vergeblich gekämpft. Zwar weiß er immer noch nicht, was mit seiner Schwester passiert ist, aber zumindest weiß er jetzt, dass sie nicht in einem der Gräber auf dem deutschen Friedhof versteckt liegt.