Suche nach verlorenem Sohn endet in den Flugzeugtrümmern von Lockerbie

270 Menschen starben am 21. Dezember bei dem Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug vom Typ Boeing 747 der US-amerikanischen Fluglinie Pan American World Airways.
270 Menschen starben am 21. Dezember bei dem Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug vom Typ Boeing 747 der US-amerikanischen Fluglinie Pan American World Airways.
© dpa, A0200 epa Pa Paletkey

16. Dezember 2013 - 15:44 Uhr

Carol gab ihren Sohn zur Adoption frei

45 Jahre lang hielt sich Carol King-Eckersley an ihr Versprechen, nicht nach ihrem Sohn zu suchen oder mit ihm Kontakt aufzunehmen. Erst mit dem Tod ihres Mannes brach die Frau aus dem US-Bundesstaat Oregon mit diesem Vorsatz und träumte von einer Wiedervereinigung.

1967 wurde die Tochter eines High-School-Direktors schwanger – sie war erst 19 Jahre alt. Um das Ansehen ihres Vaters nicht zu gefährden, gab sie ihren Sohn zur Adoption frei. Das letzte Mal sah sie Kenneth im Auto eines Anwalts, der das Kind gemeinsam mit ihr zu seiner neuen Familien brachte. Noch heute erinnert sie sich genau an diesen Moment. "Ich dachte nur: Bitte, fang nicht an zu weinen, denn dann bringe ich es nicht übers Herz", sagte die 65-Jährige der BBC Schottland.

Während der Trauerfeier für ihren verstorbenen Ehemann im vergangen Jahr beschloss Carol, ihren Sohn über das Internet ausfindig zu machen. Und tatsächlich: Auf der Internetseite der Syracuse University von New York entdeckte sie ein vertrautes Gesicht. Das Geburtsdatum passte und der junge Mann auf dem Foto sah genau aus wie ihr Vater, schilderte Carol. Doch ihr Sohn, Kenneth Bissett, war eigentlich an der Cornell University (US-Bundesstaat New York) eingeschrieben. Über die Syracuse University hatte sich Kenneth jedoch für ein Austauschprogramm in London empfohlen.

"Ich fand und verlor ihn am gleichen Tag"

Suche nach verlorenem Sohn endet in den Flugzeugtrümmern von Lockerbie
Carol King Eckersley fand nach 24 Jahren ihren Sohn wieder, doch da war dieser schon lange tot.

All das erzählte Carol – übermannt von ihren Gefühlen – ihrer Schwester damals am Telefon. Auf das Glücksgefühl folgt der Tiefschlag. Carol befand sich, ohne es zu bemerken, auf der Gedenkseite für die getöteten Insassen des Pan Am Flug 103, der am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie explodierte.

"270 Menschen starben bei dieser Tragödie und einer von ihnen war der einzige Sohn, den ich je hatte. Und bis letzten April wusste ich nicht mal davon", erzählte Carol King Eckersley der schottischen BBC, die 25 Jahre nach der Tragödie eine Dokumentation sendete. Für die 65-Jährige eine doppelte Tragödie: "Ich fand und verlor ihn am gleichen Tag wieder."