Wer hat hier den Dachschaden?

Radaktivisten verhöhnen Helmkampagne von Andreas Scheuer

Ein Radaktivist von "Radentscheid Stuttgart"  stellt einen Unfall nach.
© Radentscheid Stuttgart

10. April 2019 - 14:31 Uhr

Drastische Fotos von blutenden Radfahrern

Ein Mann mit Fahrradhelm und in blauer Unterhose liegt vor einem fetten Mercedes-SUV auf einer Straße. Kunstblut läuft seinen Rücken hinab. Im Bild prangt der Slogan: "Looks like shit. But we still get hit" (Deutsch: "Sieht scheiße aus. Aber wir werden immer noch angefahren"). Mit der Kampagne stänkern Stuttgarter Radaktivisten gegen die Helmkampagne des Bundesverkehrsministeriums. Wer hat hier den Dachschaden?

Foto der "Looks like shit. But saves my life"-Kampagne.
Mit der Kampagne des Verkehrsministeriums sollen junge Menschen motiviert werden, mehr Fahrradhelme zu tragen.
© BMVI/Runter vom Gas

Auf den Plakaten von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) räkelt sich ein junges Model aus Heidi Klums TV-Castingshow "Germany's Next Topmodel" mit Helm und Dessous in einem Bett. Mit der Aktion "Looks like shit. But saves my life" ("Sieht scheiße aus. Aber rettet mein Leben") sollte vor allem jungen Leuten gezeigt werden, dass Helmtragen nicht nur sicher ist, sondern auch cool sein kann. Doch statt über Helme sprachen Kritiker vor allem von Sexismus und einer fragwürdigen Umsetzung.

Wie sich Scheuer selbst zum Gegenwind an der Helmkampagne äußert, zeigt unser Video.​

„Sichere Infrastruktur statt bescheuerte Kampagnen“

Die Bürgerinitiative "Radentscheid Stuttgart" verhöhnt die Kampagne mit drei drastischen Fotos von verunfallten Radfahrern: "Statt in beSCHEUERte Kampagnen zu investieren, sollte sich das Verkehrsministerium für sichere Fahrradinfrastruktur einsetzen - sieht nicht nur gut aus, sondern rettet wirklich Leben. Unfälle verhindern statt Schäden teilweise zu reduzieren", heißt es in einem Statement der Bewegung.

Die Stuttgarter Radler hatten für ihr "Bürgerbegehren für ein fahrradfreundliches Stuttgart" 35.000 Unterschriften gesammelt, die Stadt schmetterte den Radentscheid jedoch ab – die rechtlichen Kriterien seien nicht erfüllt.

User spotten über Anti-Scheuer-Kampagne

Radentscheid Stuttgart verhöhnt Scheuers Helmkampagne
Dieser Aktivist von Radentscheid Stuttgart scheint von einem parkenden Auto angefahren worden zu sein.
© Radentscheid Stuttgart

Stephanie Krone vom ADFC zu RTL.de: "Radfahren birgt Risiken, weil gute Radwege fehlen, Kreuzungen schlecht gestaltet sind und Autos auf den Radwegen parken. An dieses Problem muss Verkehrspolitik ran – anstatt durch alberne Kampagnen vom Thema abzulenken.

Auf Facebook spotten User dagegen über die Anti-Scheuer-Kampagne: "Wer es schafft, sich von einem parkenden Auto überfahren zu lassen, der hat's wohl auch verdient", schreibt ein User. Ein anderer meint: "Dann lieber hübsche Helmträgerinnen. Inhaltlich genauso daneben, aber hübsch."