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Stuttgarter Arbeitsagentur-Mitarbeiter forderte Sex gegen Jobs

Stuttgarter Arbeitsagentur-Mitarbeiter forderte Sex gegen Jobs
Vertragsunterschrift erst nach "gewissen" Leistungen? Im Stuttgarter Jobcenter ist das passiert: Ein Mitarbeiter forderte Sex gegen Jobs. © dpa-Zentralbild, Z1005 Waltraud Grubitzsch

Mitarbeiter der Arbeitsagentur nutzte seine Position schamlos aus

Sexuelle Übergriffe im Dienstzimmer einer Arbeitsagentur: Wer in Stuttgart als Prostituierte einen Ausstieg aus dem Milieu wagen wollte, kam an dem Mitarbeiter der örtlichen Jobvermittlung nicht vorbei - und war dann seinen Belästigungen ausgesetzt.

Jedenfalls erging es zwei Frauen so, die mit ihm Möglichkeiten eines Jobwechsels besprechen wollten. Der Mann begrapschte sie, wollte Oralverkehr, masturbierte vor ihnen und belästigte sie telefonisch auch nach Feierabend. Als die Frauen sein Büro betraten, schloss er seine Tür zu, um so unbemerkt sexuelle Handlungen an sich und den Frauen vornehmen zu können.

Besonders grotesk: Der 62-Jährige war für ein Sozialprojekt verantwortlich. Dabei sollten ausgerechnet früheren Prostituierten, die aus dem Rotlichtmilieu aussteigen wollten, "normale" Jobs vermittelt werden. Doch stattdessen ließ er sich über die Oberweite aus und steckte einer Frau seine Hand in ihre Hose. Dem Mann sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang Dezember 2013 gekündigt worden. Er ist geständig und nicht vorbestraft. Ein Haftbefehl gegen ihn wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Arbeitsagentur-Mitarbeiter aus Stuttgart kommt vor Gericht

Im Oktober muss er sich wegen sexueller Nötigung und Bestechlichkeit vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm drohen zwischen einem und zehn Jahren Haft. "Es ist ein Einzelfall", sagt die Sprecherin der Stuttgarter Arbeitsagentur und gibt wie auch die Bundesagentur in Nürnberg keinen weiteren Kommentar zu den Vorfällen von Oktober 2012 und Oktober 2013 ab.

"Nein", widerspricht Birte Rohles, bei der Frauenrechtsorganisation 'Terre des Femmes' in Berlin zuständig für häusliche und sexualisierte Gewalt. "Das ist kein Einzelfall. Laut einer Studie der europäischen Grundrechteagentur ist jede zweite Frau in ihrem Leben schon mindestens einmal sexuell belästigt worden." Prostituierte seien besonders gefährdet, weil sie eher als Freiwild und leichte Beute gelten, sagt Rohles. "Dass das wie im Stuttgarter Fall in einer Behörde passiert, ist eine spezielle Form von Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses und spiegelt die Machtverhältnisse wider." Denn: Sexuelle Belästigung passiere in der Regel von "oben nach unten". "Das heißt, ein Chef belästigt seine Angestellte oder eben ein Arbeitsvermittler seine Klientin."

Im Stuttgarter Sozialministerium fragt man sich, warum ein solcher Fall über eine so lange Zeit völlig unbemerkt bleiben konnte. "Das muss aufgeklärt werden", sagt ein Sprecher. Rohles spricht von "Tabuisierung". "Die Behörde hätte gleich nach dem ersten Vorfall handeln müssen, auch um weitere Fälle zu verhindern." Aber Arbeitgeber machen gerne mal beide Augen zu, glauben den Betroffenen vielfach auch nicht und fürchten um ihren Ruf. Für Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier zeigt das Geschehen, dass die Entwürdigung der betroffenen Frauen, ob Zwangsprostituierte oder scheinbar freiwillig im Gewerbe, nicht am Straßenstrich oder im Bordell endet. "Für viele Männer bleiben diese Frauen als Sexobjekte verfügbar, immer und überall. Damit muss endlich Schluss sein."

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