Schockierende Bilder

Katastrophale Zustände: SOKO Tierschutz deckt Tierquälerei in Stuttgarter Schlachthof auf

03. September 2020 - 9:59 Uhr

Aufnahmen aus Schlachtbetrieb zeigen grausame Szenen und Tierquälerei

Es sind verstörende Szenen, die der SOKO Tierschutz vorliegen. Sie zeigen schlimme Zustände und Tiermisshandlungen durch Mitarbeiter eines Schlachtbetriebes in Gärtringen bei Stuttgart. Entstanden sind die Aufnahmen den Angaben der Organisation zufolge im Juni und Juli diesen Jahres. Dabei wirbt die Metzgergenossenschaft sogar damit, anders zu sein, als die Mega-Schlachthöfe.

Schlachter quetscht Stock in Auge des Schweins

Tieren werden Holzstangen in den After gestoßen, Elektroschocker werden illegal und auf brutale Weise eingesetzt. Die Metzger des Betriebs in Gärtringen schlagen den Tieren ins Gesicht, Schafe werden an einem Bein über den Hallenboden geschleift. In einer besonders verstörenden Szene wird einem Schwein erst gegen das Gesicht getreten und geschlagen, dann quetscht ein Schlachter einen Hartplastik-Stock in das Auge des kreischenden Tieres.

Oft sind bei der Tierquälerei sogar Tierärzte anwesend

Bei vielen Übergriffen sind amtliche Tierärzte anwesend. Sie greifen nicht ein oder drehen sich sogar weg. "Es ist entsetzlich zu sehen, wie eine Tierärztin zuschaut, wenn ein Schwein in die Betäubungsbox eingeklemmt wird, offensichtlich nicht betäubt ist und sie selbst dann nicht eingreift, als der Schlachter das Tier bei Bewusstsein abstechen will", beschreibt Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz eine Szene. In einem anderen Fall kann ein Schwein nicht laufen und wird von der von Mitarbeitern angetriebenen Herde einfach überrannt. Auch offensichtliche Verletzungen werden von anwesenden Tierärzten teilweise nicht beanstandet. So beispielsweise ein Schwein mit Nabelbruch. Und das ist keine Seltenheit in solchen Fällen.

Veterinäre sind für Untätigkeit nicht haftbar

Erst im Jahr 2017 war es zu einem ähnlichen Fall im Schlachthof Tauberbischofheim gekommen. Auch dort hatten die staatlichen Tierärzte tatenlos zugesehen. Die Staatsanwaltschaft Mosbach stellte damals die Verfahren gegen die staatlichen Veterinäre ein. Sie könnten sich im Schlachthof ohnehin nicht durchsetzen und wären deshalb nicht für ihre Untätigkeit haftbar. In den letzten drei Jahren deckte die SOKO Tierschutz bereits Misshandlungen in acht Schlachtbetrieben auf, sechs von ihnen wurden bisher geschlossen. Im Falle des Schlachtbetriebs in Gärtringen hat die SOKO Tierschutz Strafanzeige gestellt.

Tiere erhielten keine richtige Betäubung

Die Betäubung der Rinder und Schweine geht auf den Aufnahmen oft schief. Schweine erwachen regelmäßig und werden nicht oder erst nach entsetzlichen Leiden nachbetäubt. Bei 304 dokumentierten Schweinebetäubungen wurde bei lediglich 4 Ferkeln und 2 Schweinen die Betäubung überprüft. Auch das Landratsamt Böblingen hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bauliche Mängel, die laut Tierschützern zu Qualen der Tiere auf dem Transportband geführt hatten, seien bekannt. Man werde nun verstärkter kontrollieren.

Am 01.09.2020 veröffentlichte ARD Fakt in Zusammenarbeit mit SOKO Tierschutz einen Bericht zu dem Thema.