Nach Unfall mit zwei Toten in Stuttgart

Mutmaßlicher Raser steht wegen Mordes vor Gericht

© dpa, Marijan Murat, mut tba

11. September 2019 - 16:19 Uhr

Mert T. soll für den tödlichen Unfall verantwortlich sein

Die Mütter der beiden Opfer weinen, als die Anklage gegen den Mann verlesen wird, der ihre Kinder totgefahren haben soll. In Stuttgart steht ein 20-Jähriger vor Gericht, der mit einem Sportwagen durch die Innenstadt raste und dabei den Wagen eines 25-Jährigen rammte. Er und seine 22 Jahre alte Beifahrerin starben. Nun muss sich der mutmaßliche Raser Mert T. wegen Mordes verantworten. RTL-Reporter Timo Leiß war beim Prozessauftakt dabei.

„Sag mir, dass das ein Traum ist“

Laut Gutachter war der Fahrer mindestens 160 bis 165 Stundenkilometer schnell, als er mit dem Sportwagen in eine Kreuzung in der Innenstadt raste. Als plötzlich ein anderes Auto auf die Straße einbog, konnte er kaum noch ausweichen und rammte ein Auto, das am Straßenrand stand. Beide Insassen starben. Bilder von der Unfalsstelle damals zeigen wir im Video.

"Sag mir, dass das ein Traum ist", soll Mert T. direkt nach der Kollision gesagt haben – das erklärte der Beifahrer des Angeklagten, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Er und Mert T. überlebten den Unfall unverletzt. "Ich wurde in den Sitz gedrückt, dann habe ich eine Bewegung nach links gespürt. Danach weiß ich nichts mehr", erzählt der Zeuge. Der Unfall sei eine Sache von wenigen Sekunden gewesen. "Das ging ruckzuck."

Vollgas in der Innenstadt: War es Mord?

Anklage wegen Mordes nach tödlichem Sportwagenunfall
Nach dem schweren Unfall in der Stuttgarter Innenstadt muss sich ein 20-Jähriger wegen Mordes verantworten.
© dpa, Kohls, sdmg pat bwe

Das öffentliche Interesse an dem Prozess ist riesig. Wegen des großen Zuschauerandrangs konnte die Verhandlung erst mit einer Stunde Verspätung starten, wie RTL-Reporter Timo Leiß berichtet. Einige Leute kamen nicht mal in den Gerichtssaal rein, weil er mit 150 Personen voll besetzt war. Die Eltern der Unfallopfer waren bei dem Prozessauftakt ebenfalls vor Ort. Sie stellten Fotos ihrer toten Kinder auf. Die beiden waren erst kurz vor dem Unfall von Nordrhein-Westfalen nach Stuttgart gezogen.

Die Anklage wirft Mert T. Mord vor. "Dem Angeklagten ging es darum zu imponieren", so die Staatsanwaltschaft. Ihm hätte klar sein müssen, "dass er nicht rechtzeitig auf einbiegende Fahrzeuge reagieren konnte." Der junge Mann sei bereits vorher mehrfach mit stark überhöhter Geschwindigkeit oder mit ausbrechendem Heck aufgefallen. Das Schicksal anderer sei ihm völlig Gleichgültig gewesen, meint die Anklage.

Verteidiger von Mert T. geht nicht von Mord aus

Der Verteidiger des Unfallfahrers wies die Mordvorwürfe gegen den 20-Jährigen zurück. Der Unfall sei unfassbar tragisch gewesen. Sein Mandant trage schwer an der Verantwortung. Mert T. selbst wirkte auf den RTL-Reporter ruhig. Er wollte sich vorerst nicht vor Gericht äußern.

Wie die Polizei jetzt versucht, konsequent gegen Raser vorzugehen – erklärt RTL-Sicherheitsexperte Michael Ortmann hier.