Stuttgart 21: Der Zoff geht weiter

8. Februar 2011 - 13:39 Uhr

Sitzblockaden im Park

Es war nur eine Frage der Zeit, dass der Streit um Stuttgart 21 offen und mit größeren Aktionen der Parkschützer weiter geht. Dass die Gegner des Bauprojekts nicht bis zur Fertigstellung oder gar für immer ihren Protest für sich behalten würden, war klar, nachdem der Schlichterspruch von Heiner Geissler die Protestler kaum hatte befriedigen können.

Jetzt war es so weit: Als es daran ging, dass Bäume, die dem Projekt im Weg stehen, ausgegraben und umgepflanzt werden sollten, versammelten sich hunderte Demonstranten, um die Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 zu behindern. Sie stellten sich vier Spezialfahrzeugen entgegen, mit denen 16 Bäume am Nordausgang des Bahnhofs ausgegraben werden sollten.

Ein Großaufgebot der Polizei löste mehrfach Sitzblockaden auf und machte den Weg frei. Der Sprecher der Parkschützer, Matthias von Herrmann, behauptete zunächst, es seien auch Schlagstöcke eingesetzt worden, was ein Polizeisprecher nicht bestätige wollte. Später musste sich Herrmann korrigieren: "Da hatte ich falsche Informationen."

"Schämt Euch!"

Einige Demonstranten besetzten Bäume und blockierten einen Lastwagen mit Bauzaunelementen. "Schämt Euch!"-Rufe ertönten, als der erste Baum ausgegraben war und gekippt wurde. Die Bäume sollen in den kommenden Tagen an anderen Standorten in Stuttgart wieder eingepflanzt werden. Nach Angaben der Bahn kostet das Verpflanzen rund 200.000 Euro.

Die Polizei sprach von 300 bis 500 Demonstranten, die Organisatoren von mehr als 1.000. Einige blockierten eine Kreuzung, so dass Baufahrzeuge und Autos mehrere Stunden lang nicht durchfahren konnten. Immer wieder forderten die Gegner "Die Bäume bleiben hier!" und "Mappus weg!" in Anspielung auf Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU).

Es war der erste große 'Parkschützeralarm' seit dem 30. September 2010, als bei Auseinandersetzungen im Schlossgarten weit mehr als 100 Demonstranten und mehrere Dutzend Polizisten verletzt wurden. Die Gegner des Bahnprojekts lehnen die Verpflanzung der Bäume ab, da diese eine wichtige Funktion als Abgasfilter an einer vielbefahrenen Kreuzung hätten. Bereits am Montagabend hatten mehrere tausend Menschen bei der traditionellen 'Montagsdemo' für einen Baustopp des Milliardenprojekts Stuttgart 21 demonstriert.