Damit die Familie endlich mit dem Albtraum abschließen kann

Kind stürzte von Kreuzfahrtschiff: Großvater von Chloe (†1) bekennt sich vor Gericht schuldig

Die kleine Chloe fiel aus einem Fenster auf einem Kreuzfahrtschiff.
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17. Oktober 2020 - 10:51 Uhr

Salvatore Anello bekennt sich der fahrlässigen Tötung schuldig

Die 18 Monate alte Chloe aus dem US-Bundesstaat Indiana stürzte von einem Kreuzfahrtschiff in den Tod. Ihr Großvater, der damals auf das kleine Mädchen aufpasste, hat sich nun wegen fahrlässiger Tötung schuldig bekannt. Zuvor hatte Salvatore "Sam" Anello abgestritten, für den Tod des Mädchens verantwortlich zu sein. Im Februar kündigte er dann aber an, dass er sich schuldig bekennen wolle, damit die Familie endlich mit dem tragischen Unglück, das im Hafen von Puerto Rico passierte, abschließen könne. 

Durch das Schuldbekenntnis könnte Anello einer Gefängnisstrafe entgehen

Die Justizbehörden von Puerto Rico bestätigten das Schuldeingeständnis von Anello. Ein Urteil gegen ihn soll am 10. Dezember 2020 gesprochen werden. Der Anwalt des Großvaters erklärte laut dem US-Sender NBC in einem Statement, dass Anello und das Gericht sich auf einen Deal geeinigt hätten. Wenn er sich schuldig bekenne, würde ihm keine Gefängnisstrafe in Puerto Rico drohen, stattdessen soll er nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden und wieder nach Hause in den US-Bundesstaat Indiana dürfen.

Das sei aus Sicht der Familie die beste Entscheidung gewesen, so der Anwalt Michael Winkelman. "Sie können dieses schreckliche Kapitel endlich schließen und sich auf die Trauer um Chloe fokussieren und weiter für die Sicherheit von Kreuzfahrtpassagieren kämpfen", zitierte NBC den Verteidiger.

"Diese Entscheidung war für Sam und die Familie unglaublich schwierig"

Anellos Anwalt Michael Winkleman erklärte im Februar, dass sein Mandant seine Verantwortung nicht mehr länger abstreite und sich schuldig bekennen werde, berichtet die "Daily Mail". "Diese Entscheidung war für Sam und die Familie unglaublich schwierig", so Winkleman.

Weil das Schiff im Hafen von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan lag, als das Unglück passierte, muss sich Anello auch dort vor Gericht verantworten. Chloes Großvater hatte ausgesagt, er habe das Mädchen auf eine Fensterbank gehoben. Ihm sei nicht klar gewesen, dass das Fenster offen war. Im nächsten Moment sei seine Enkelin schon gefallen.

Familie sieht Schuld trotz Geständnis bei Kreuzfahrtgesellschaft

Die Eltern des kleinen Mädchens geben weiterhin der Kreuzfahrtgesellschaft die Schuld an dem Unglück - daran ändert auch das Geständnis des Großvaters nichts. Chloes Eltern verklagten "Royal Caribbean Cruises", weil sie in dem offenen Fenster einen Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften sehen. Darauf hatte die Kreuzfahrtgesellschaft reagiert und Aufnahmen einer Überwachungskamera vorgelegt. Im Video zeigen wir Ausschnitte daraus. Darauf soll zu sehen sein, wie Anello zuerst selbst seinen Kopf aus dem Fenster streckt, dann seine Enkelin hochhebt und aus dem Fenster hält. Dabei sei ihm das Mädchen entglitten und abgestürzt, meint die Reederei.

"Weil Herr Anello sich selbst aus dem Fester lehnt, war er sich im Klaren darüber, dass das Fenster offen war", zitiert der Sender "CBS News" aus Unterlagen, die die Rederei dem zuständigen Gericht vorgelegt hat. Offenbar ließ der Großvater das Mädchen im Juli 2019 bewusst eine ganze Weile lang in 46 Metern Höhe aus dem Fenster baumeln.

Die Eltern des Mädchens waren dagegen sicher, dass Chloes Großvater ihre Tochter niemals wissentlich in Gefahr gebracht hätte. Das Video lässt nun Zweifel daran aufkommen. Der Tod des Mädchens sei eine Tragödie, zitiert der Sender die Kreuzfahrtgesellschaft, aber der Großvater trage die alleinige Verantwortung für das Unglück.