Am Neujahrstag war die Insel plötzlich geteilt

Sturmflut vor 300 Jahren zerriss Helgoland

Unwetter auf Helgoland
Unwetter auf Helgoland
© dpa, A9999 Yngve Lange

29. Dezember 2020 - 13:57 Uhr

Helgoland geteilt in Hauptinsel und Düne

Wie muss es den Helgoländern wohl ergangen sein, als sie am Neujahrsmorgen 1721 ihre zerrissene Insel sahen? Von "grausamen Wellen" berichtet eine alte Quelle. Durch eine heftige Sturmflut ist Helgoland seit jener Nacht in Hauptinsel und Düne geteilt. Von den Ereignissen am 1. Januar 1721 gebe es nur wenige schriftliche Zeugnisse, sagt Historiker Martin Krieger von der Universität Kiel gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Die Ereignisse vor 300 Jahren beschäftigen heute noch die Inselpolitik

Helgoland
Helgoland ist seit 1721 geteilt
© RTL Nord

Die Hochseeinsel besteht aktuell aus dem ein Quadratkilometer großen, roten Felsen mit Steilküste und der 0,7 Quadratkilometer großen, vorgelagerten Düne. "Als Helgoland noch eine Insel war, gab es zwei Felsen, den roten aus Buntsandstein und einen weißen aus Kalk", sagt Prof. Krieger. Dieses weiße Kliff habe sich etwas nördlich der heutigen Düne befunden. Eine Landbrücke aus Geröll und Sand verband diese beiden Felsen miteinander.

Kalkabbau wird der Insel zum Verhängnis

ARCHIV - Das Wahrzeichen von Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, die "Lange Anna", aufgenommen am 04.10.2008. Seit Jahren blühen die Verbindungen zwischen den ungleichen Schwestern Helgoland und Sansibar eher im Verborgenen. Sansibar ist an
Helgoland und die Lange Anna (Felsen im Nordwesten der Insel).
© dpa, A3390 Kay Nietfeld

Kalk war laut Krieger damals ein wichtiger Baustoff. "Der Helgoländer Kalk wurde über Jahrhunderte abgebaut und aufs Festland verkauft, bis auf einmal dieses weiße Kliff weg war", erklärt er. Dann habe die Nordsee freies Spiel gehabt. In der Neujahrsnacht 1720/21 sei es dann zur Sturmflut gekommen und der Wall durchbrochen worden.

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Auch der Krieg verändert das Aussehen Helgolands

Nach Worten von Krieger konnten die Menschen die Bruchstelle anfangs noch passieren, aber durch mächtige Strömungen in der Nordsee sei dieses Wasser immer tiefer geworden. Krieger berichtet zudem, dass die Insel früher ganz anders aussah. Im Zweiten Weltkrieg wollten die Nationalsozialisten mit dem Projekt "Hummerschere" durch Aufspülungen und Betonbauten einen Marinehafen als Flottenstützpunkt bauen. Nach Bombenangriffen war Deutschlands einzige Hochseeinsel nicht mehr bewohnbar. 1947 wollten die Briten mit 6700 Tonnen Munition alle Militäranlagen auf der Insel sprengen. Die Folge war ein großer Krater an der Südspitze. Heute können Touristen mit einer Fähre von der Hauptinsel auf die Düne übersetzen.

Insel soll vergrößert werden, aber das Projekt scheitert

Ein Hamburger Bauunternehmer erarbeitete 2008 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg und dem Alfred-Wegener-Institut einen Plan, den nur wenige Meter tiefen Meeresarm wieder mit Sand aufzufüllen. Hauptinsel und "Badedüne" sollten zu einer Einheit zusammengefügt werden und Helgoland sich so um einen Quadratkilometer vergrößern. Eine Zukunftsvision, die für 100-Millionen-Euro attraktive Räume schaffen sollte für mehrere Hotels und zusätzlichen Strand. Bei einem Bürgerentscheid 2011 stimmten nur 45 Prozent der Befragten für das Mega-Projekt.

Bürgermeister war von der Vergrößerung überzeugt

"Um diese Frage war es viele Jahre ganz still, da andere Dinge, wie eine gute Festlandanbindung, im Fokus standen", sagt Bürgermeister Singer, der über das damalige Ergebnis sehr enttäuscht war. Mit Blick auf die Teilung vor 300 Jahren fügt er hinzu: "Ich bin gespannt, ob dieser historische Gedenktag ein Impuls ist, noch mal über diese Insel-Frage nachzudenken." Helgoland verfüge über "die teuerste Dorfgrenze der Welt", so Singer. "6,5 Kilometer Molenbauwerke sichern heute unsere zwei Inseln. Die in Schuss zu halten, ist eine enorme Leistung."

Helgoland – wo geht die Reise hin?

Sollte das Vorhaben erneut angepackt werden, dann sei die Situation eine andere als vor zehn Jahren und das Projekt müsse neu gedacht werden. "Damals wollte man eine riesige Hotel-Entwicklung, das sehe ich heute anders", sagt er. Mehr Hotelbetten seien aktuell nicht der Wunsch vieler Insulaner. "Vielleicht ist die Zeit reif, jetzt darüber nachzudenken, wohin Helgoland sich bis 2030 entwickeln soll."

Quelle: DPA / RTL.de

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