Stärker als erwartet

Sturmtief HENDRIK mit Tornados über Deutschland: Ein normaler Herbststurm?

23. Oktober 2021 - 9:45 Uhr

Zahlreiche Sturm-Schäden in Deutschland

Am Mittwoch und Donnerstag tobte der erste richtige Herbststurm des Jahres 2021 HENDRIK (auch als IGNATZ bezeichnet) über Deutschland: Er warf Bäume um, richtete Chaos bei der Bahn an und verursachte zahlreiche Schäden inklusive großflächiger Stromausfälle. Mehrere Menschen wurden verletzt, ein Mann ist inzwischen an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Mindestens ein Tornado wurde beobachtet, zwei weitere mögliche Tornados sind noch nicht bestätigt. War das ein "normaler Herbststurm"?

Orkanartige Böen im flachen Land, Orkanböen auf den Bergen

Selbst im Flachland wurden orkanartige Böen gemessen. Hier eine Auswahl:

  • Trier: 115 km/h
  • Würzburg: 113 km/h
  • Wörth am Rhein: 113 km/h
  • Berlin-Wannsee: 113 km/h
  • Villingen-Schwenningen: 111 km/h
  • Naumburg/Saale: 111 km/h

Im Bergland war der Wind naturgemäß noch stärker. Die Böen erreichten Orkanstärke:

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  • Feldberg (Schwarzwald): 167 km/h
  • Belchen (Schwarzwald): 165 km/h
  • Brocken (Harz): 150 km/h
  • Weinbiet (Rheinland-Pfalz): 139 km/h
  • Fichtelberg (Erzgebirge): 132 km/h
  • Wurmberg (Harz): 132 km/h

Unwetter: Wo in Deutschland war der Sturm besonders stark?

Sturm HENDRIK brachte Deutschland Orkanböen
Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden am Donnerstag in einem Streifen quer über Deutschland gemessen. Außerdem gab es drei mögliche Tornados. Der Tornado bei Elten nahe der niederländischen Grenze hatte sich bereits am Mittwoch gebildet. Am Donnerstag wurden zwei weitere mögliche Tornados beobachtet, diese sind allerdings nicht offiziell bestätigt.

Möglicherweise drei Tornados in Deutschland

Mindestens ein Tornado wurde in Deutschland beobachtet: Bereits am Mittwochabend wurde das Wetterphänomen gegen 18:30 Uhr bei Emmerich nahe der Grenze zu den Niederlanden beobachtet.

Zwei weitere mögliche Tornados wurden am Donnerstag gesichtet: Gegen 07:30 Uhr in der Stadt Schwentinental bei Kiel und etwa um 08:15 Uhr nahe der Autobahn A19 zwischen Wittstock und Rostock.

Grundsätzlich sind Tornados in Deutschland keine Seltenheit. Man schätzt, dass im Schnitt hierzulande pro Woche ein Tornado wirbelt. Allerdings wird das Naturschauspiel inzwischen wohl öfter gefilmt als in der Vergangenheit und landet deshalb häufiger in den Medien.

Etliche Regenfälle in vielen Teilen Deutschlands.

Neben den hohen Windgeschwindigkeiten brachte HENDRIK auch viel Regen. Insbesondere in der Westhälfte des Landes kamen am Donnerstag öfter mal mehr als 20 Liter pro Quadratmeter zusammen, in Papenburg sogar mehr als 30 Liter pro Quadratmeter. Das ist stattlich, aber verteilt über einen Tag bei einer Sturmlage ist es auch nicht ungewöhnlich.

Meteorologe ordnet Sturm HENDRIK ein

Verglichen mit den schlimmsten Herbststürmen in den letzten Jahren war HENDRIK kein Leichtgewicht. Die stärksten Windgeschwindigkeiten waren allerdings bei einigen Stürmen dieser Liste noch ein gutes Stück höher. Für einen Vergleich sind außerdem vor allem die Windgeschwindigkeiten im flachen Land wichtig. Dort liegt Hendrik teils deutlich unter den schlimmsten Stürmen der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Meteorologe Carlo Pfaff erklärt: "Mit einigen orkanartigen Böen im Flachland war der Sturm ein wenig stärker als von den Modellen vorhergesagt. Da die Bäume für Ende Oktober noch sehr viel Laub hatten, waren die Auswirkungen dementsprechend auch etwas stärker als wenn er erst Mitte November gekommen wäre. Etwas ungewöhnlich war, dass vor allem die breite Mitte und nicht die Küste am meisten betroffen war. Insgesamt kann man aber dennoch von einem "normalen" Herbststurm reden, wie er in jedem Herbst im Schnitt zwei- bis dreimal vorkommt."

Ab welcher Windgeschwindigkeit ist Sturm? Wie schnell ist der Wind bei einem Orkan?

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(cli)