Studium und Ausbildung steuerlich absetzbar

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18. August 2011 - 14:40 Uhr

Weitreichende Folgen für den Fiskus

Wer studiert oder eine teure Ausbildung gemacht hat, könnte sich bald über einen Geldsegen freuen: Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied nun in zwei aktuellen Urteilen, dass die Finanzämter die Anrechnung zum Beispiel von Studiengebühren als vorweggenommene Werbungskosten nicht ablehnen dürfen.

Bisher blieb Lehrlingen und Studenten nichts anderes übrig als die hohen Kosten für ihre Ausbildung einfach wegzustecken. Beim Fiskus konnte das Erststudium oder die teure Ausbildung nicht geltend gemacht werden. Das neue Urteil des BFH könnte da aber jetzt weitreichende Folgen haben.

Bisher waren die Entscheidungen immer eindeutig: Finanzämter entschieden bisher, dass Kosten der Erstausbildung - seien es Gebühren, Bücher oder Lehrgeld - nicht mit den später auf das Einkommen fälligen Steuern verrechnet werden können. Auch die Finanzgerichte urteilten so und begründeten dies mit dem 2004 ins Gesetz geschriebenen Abzugsverbot.

Nun machten die obersten Finanzrichter den Behörden in zwei Fällen einen Strich durch die Rechnung: Sie gaben einem Piloten und einer Medizinerin recht, die die steuerliche Absetzbarkeit von Studien- und Ausbildungskosten eingeklagt hatten.

Experten raten: Steuererklärung machen!

Grundsätzliche Wirkung haben die Urteile zunächst aber nicht. Dafür muss das Finanzministerium erst entscheiden, ob die Sprüche auch im Alltag angewendet werden. Dort will man das Urteil nun genau prüfen. Die Urteile seien dennoch eine Trendwende und ermöglichten eine andere Art des Bildungssparens.

Experten raten Studenten und Lehrlingen, nun eine Steuererklärung abzugeben. So könnten Kosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemacht werden, sagte Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. "Betroffen davon sind in erster Linie Studenten." Aber auch Azubis, die sich in keinem Dienstverhältnis befinden, also etwa bei einem staatlichen Lehrbetrieb lernen, würden von der Entscheidung profitieren. Die Kosten würden zunächst als Verluste angegeben. "Wenn nach dem Abschluss des Studiums oder der Ausbildung ein Einkommen erzielt wird, können diese Verluste entsprechend verrechnet werden", sagte Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine.