Arbeits- und Wohnverhältnisse machen Schutz vor Virus schwieriger

RKI-Studien: Arme Menschen haben höheres Corona-Risiko

Arme Menschen haben laut mehreren Studien des Robert Koch-Instituts ein höheres Risiko, an Corona zu sterben (Symbolbild)
Arme Menschen haben laut mehreren Studien des Robert Koch-Instituts ein höheres Risiko, an Corona zu sterben (Symbolbild)
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17. April 2021 - 10:55 Uhr

Zweite Corona-Welle traf sozial Schwache am stärksten

Arme Menschen infizieren sich häufiger mit dem Coronavirus, außerdem sterben sie auch häufiger an Covid-19: Diese Zahlen gehen aus zwei Studien des Robert Koch-Instituts hervor. In sozial benachteiligten Regionen in Deutschland wütete das Virus besonders in der zweiten Welle am heftigsten. Demnach sorgen vor allem prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse für ein höheres Infektions- und Sterberisiko. Zuerst hatte das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" darüber berichtet.

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COVID-19-Sterblichkeit in ärmeren Regionen 50 bis 70 Prozent höher

Das RKI untersuchte für eine Studie die Corona-Todesfälle in Deutschland während der zweiten Welle im Dezember und Januar. "Im Dezember und Januar lag die COVID-19-Sterblichkeit in sozial stark benachteiligten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung", schreibt das Institut auf seiner Website. Für die Studie orientierte man sich am "German Index of Socioeconomic Deprivation (GISD)". In diesem Index werden Daten zu Einkommen, Bildung und Beruf der Bevölkerung regional ausgewertet.

Reichere Menschen verbreiten das Virus anfangs - dann trifft es die Ärmeren

Doch nicht nur starben laut RKI mehr sozial benachteiligte Menschen am Coronavirus, auch ist das Infektionsrisiko für diese Menschen ungleich höher. Eine zweite Studie des RKI legt einen Zusammenhang zwischen sozialer Situation und Covid-19-Infektionsrisiko nahe. Die Ergebnisse der Studie wurden im März im "Ärzteblatt" veröffentlicht.

Demnach wurden zu Beginn der zweiten Welle zunächst höhere Inzidenzraten in sozial und finanziell bessergestellten Regionen festgestellt. Mitten in der zweiten Welle kehrte sich das Muster jedoch um – und Menschen aus schwächeren Regionen waren häufiger vom Coronavirus betroffen. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass bessergestellte Bevölkerungsgruppen zwar am Anfang einer SARS-CoV-2-Welle eine bedeutende Rolle spielen – danach aber nicht mehr. Gründe dafür könnten laut RKI sein, dass bessergestellte Bevölkerungsgruppen mobiler sind und beispielsweise durch Geschäfts- oder Urlaubsreisen das Virus anfänglich verbreiten.

Beengte Wohnungen und öffentliche Verkehrsmittel: Je ärmer, desto weniger Schutzmöglichkeiten

Der Grund für die auffälligen Ergebnisse könnte vor allem in den Lebens- und Arbeitsverhältnissen ärmerer Menschen liegen. "Je ärmer die Menschen sind, desto weniger Möglichkeiten haben sie, sich vor dem Virus zu schützen", so Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands (der Paritätische) gegenüber dem "RND". Er zeigt sich von den Ergebnissen der Studien wenig überrascht. "Menschen bei der Wach- und Schließgesellschaft oder von einer Reinigungsfirma müssen nicht nur vor Ort sein, sondern fahren meistens auch in der U-Bahn gequetscht zur Arbeit und nicht im eigenen Pkw. Sie tragen ein höheres Risiko, sich anzustecken", sagt Schneider. "Das ist eine klare Sache des Geldes."

Sozialverbände fordern besseren Schutz für ärmere Menschen

Sozialverbände wie der VdK und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband fordern deshalb einen besseren Schutz für ärmere Menschen. Sozialhilfeempfänger sollten während der Pandemie 100 Euro im Monat extra bekommen, um sich Hygieneartikel wie FFP-2-Masken und Desinfektionsmittel leisten zu können. Bislang liegt der Anteil für Hygieneartikel im Hartz IV-Satz bei lediglich 5 Euro. Auch der Schutz am Arbeitsplatz müsse vielerorts verbessert werden. Gerade in weniger gut bezahlten Berufen wie in Fabriken oder Großküchen kämen oft viele Menschen eng zusammen.

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