Studie zur Armutsbekämpfung: Wenig Hilfe zahlt sich aus

Eine Studie beweist: Die Ärmsten der Armen brauchen nur einen kleinen finanziellen Anstoß, um sich aus eigener Kraft aus dem Elend befreien zu können.
© dpa, Rupert Mayr

20. Mai 2015 - 20:45 Uhr

Studie zur Entwicklungshilfe

Was braucht ein Mensch zum Leben? Um den Ärmsten der Armen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, müssen keine Riesensummen aufgebracht werden. Ein paar Ziegen, Hühner oder Meerschweinchen können eine ganze Familie aus dem Elend holen und sie zu erfolgreichen Kleinbauern machen. Ein internationales Forscherteam, mit hochkarätigen Ökonomen - unter anderem vom 'Massachusetts Institute of Technology' (MIT) und der 'Yale University' in den USA - hat eine Studie zur Armutsbekämpfung vorgelegt, die genau das beweist. Der Forschungsbeitrag wurde im Wissenschaftsjournal 'Science' veröffentlicht.

Für das Projekt wurden 10.495 Haushalte in sechs verschiedenen Entwicklungsländern (Äthiopien, Ghana, Honduras, Indien, Pakistan und Peru) ausgewählt, die pro Kopf nur rund einen Euro täglich zur Verfügung hatten. Die Test-Haushalte in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe erhielt eine begrenzte Anzahl von Tieren ihrer Wahl. Außerdem wurden die Familien in Tierhaltung und Gesundheitsthemen beraten und erhielten Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsversorgung und zu einem Bankkonto, um kleinere Geldbeträge zu sparen.

Über den Zeitraum von zwei Jahren besuchten die Forscher die Familien regelmäßig, um zu kontrollieren, ob sie ihre Aufgaben erfüllten und die Tiere gut versorgten. Bis die Familien von den Tieren leben konnten, wurden sie auch mit kleinen Geldbeträgen, bzw. Nahrungsmittelhilfen unterstützt – umgerechnet etwa ein Kilo Reis pro Tag. Die andere Gruppe erhielt alle diese Unterstützungen nicht.

Die Hilfe lohnt sich wirtschaftlich

Außer in den Testfamilien in Honduras, die sich mehrheitlich für Hühner entschieden hatten, die von einer Geflügelseuche vernichtet wurden, erzielte das Programm der Forscher einen klaren Effekt: Die unterstützten Familien konnten ihren Lebensstandard gegenüber denen ohne Hilfe eindeutig verbessern. Der Effekt hielt auch an, nachdem die Forscher die Kontrollbesuche bei den Familien nach zwei Jahren einstellten. "Drei Jahre nach der Intervention war der Hunger zurückgegangen, der Verbrauch gestiegen, das Einkommen gestiegen. Und die Leute waren auch glücklicher", sagt Abhijit Banerjee vom MIT der 'Süddeutschen Zeitung'.

Doch die Hilfe zur Selbsthilfe hat nicht nur einen humanitären Effekt. Auch rein wirtschaftlich betrachtet ist das Projekt ein voller Erfolg. Durchschnittlich wurden über zwei Jahre hinweg monatlich etwa 325 Euro pro Haushalt investiert. Doch mit Ausnahme der Familien in Honduras, die ihre Lebensgrundlage durch unglückliche Umstände verloren hatten, erwirtschaftete die Testgruppe ein Vielfaches des investierten Kapitals.

Die geringste Rendite erzielten die Haushalte in Ghana, die im Schnitt etwa ein Drittel mehr erzeugten, als sie an Unterstützung erhalten hatten. Besonders groß war der Effekt in Äthiopien, wo der Gewinn fast das Dreifache der investierten Kosten betrug und in Indien, wo die Familien mehr als das Vierfache erwirtschafteten.

Die Studie führt zweierlei vor Augen: Zum einen braucht es gar nicht viel, um eine Familie aus dem Teufelskreis von Hunger und Armut zu befreien und zum anderen ist die vergleichsweise kleine Investition eine sehr lohnende. Denn mit dem winzigen finanziellen Anstoß können die Unterstützten nicht nur dem Elend entfliehen, sondern auch ein Vielfaches der Investition aus eigener Kraft zurück erwirtschaften.