Unterschätzte Gefahr des gängigen Medikaments?

Studie ergibt: Einnahme von Paracetamol fördert riskantes Verhalten

Bereits vergangene Studien haben ergeben, dass die Einnahme von Paracetamol die Psyche beeinflusst.
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15. September 2020 - 10:30 Uhr

Wissenschaftler der Ohio State University haben die Wirkung von Paracetamol untersucht

Acetaminophen, besser bekannt als Paracetamol, ist ein weltweit verbreitetes Schmerzmittel und wird von Ärzten unter anderem bei Kopfschmerzen oder Fieber verschrieben. Doch das Medikament hilft nicht nur bei körperlichen Leiden, es wirkt sich auch auf das Einschätzungsvermögen von Risikosituationen aus – das hat eine Studie der Ohio State University ergeben. Die Wissenschaftler sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme von Paracetamol riskantes Verhalten fördert.

Einfluss auf menschliche Psyche bereits aus vergangenen Studien bekannt

"Acetaminophen scheint dafür zu sorgen, dass Menschen weniger negative Emotionen spüren, wenn sie sich in riskanten Situationen befinden – sie haben weniger Angst", so Neurowissenschaftler Baldwin Way von der Ohio State University. Aus vergangenen Studien ist bereits bekannt, dass das Schmerzmittel einen Einfluss auf verschiedene psychologische Prozesse hat, die Empfänglichkeit der Menschen für Gefühlsverletzungen verringert, zu verminderter Empathie führt und sogar kognitive Funktionen abstumpfen kann.

Über 500 Studienteilnehmer wurden auf ihr Risikoverhalten getestet

An der Studie nahmen über 500 Studenten teil. Ein Teil der Personen nahm 1.000 mg Paracetamol ein, der andere Teil bekam ein Placebo-Mittel. Anschließend verglichen Way und sein Team, wie sich die Einnahme des Medikaments auf das Risikoverhalten der Teilnehmer auswirkt. Dafür mussten sie einen Ballon auf einem Computerbildschirm aufpumpen, wobei sie für jeden Pumpstoß imaginäres Geld bekamen. Die Anweisung war, den Ballon so groß wie möglich aufzupumpen, um so viel Geld wie möglich zu erhalten, jedoch ein Platzen zu verhindern, da sonst das gesamte eingenommene Geld verloren geht.

Verschiedene Tests zeigten signifikanten Zusammenhang zwischen Acetaminophen und Risikoverhalten

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmergruppe, die Paracetamol eingenommen hatte, die Ballons mehr aufpumpten und sie öfter zum Platzen brachten als die Kontrollgruppe, die nur ein Placebo-Medikament eingenommen hatte. Zusätzlich zur Ballsimulation bewerteten die Studienteilnehmer Risikosituation wie beispielsweise Bungee-Jumping oder Autofahren ohne Sicherheitsgurt. Dabei waren die Ergebnisse unterschiedlich: In einer Umfrage schätzen die Teilnehmer, die Paracetamol eingenommen hatten, die Situationen weniger riskant ein als die Kontrollgruppe, in einer ähnlichen Umfrage wurde der Effekt jedoch nicht beobachtet.

Basierend auf dem Durchschnitt der Ergebnisse kamen die Wissenschaftler schlussendlich zu dem Schluss, dass zwischen der Einnahme von Acetaminophen und dem Risikoverhalten ein signifikanter Zusammenhang besteht.