Studie zu Hass im Netz: Kleine Minderheit postet die meisten Hasskommentare

Studie zu Hass im Netz Software gegen Hasskommentare
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Studie zu Hass im Netz

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Hass durch lautstarke, organisierte Minderheit

Wenn man Kommentare unter Nachrichten auf Facebook liest, bekommt man den Eindruck, dass es in sozialen Netzwerken nur so von wütenden Kommentatoren wimmelt. Eine Studie des IT-Experten Philip Kreißel und des 'Institut for Strategic Dialogue' in London hat jedoch aufgedeckt: Die meisten Hassbotschaften kommen von nur etwa fünf Prozent der Facebook-Nutzer. Wie gezielt diese Minderheit dabei vorgeht, sehen Sie bei uns im Video.

Hass-Postings überwiegend aus rechtem Spektrum

Für seine Studie hat Kreißel 3.000 Veröffentlichungen und 18.000 Kommentare unter Beiträgen großer Zeitungen und Rundfunksender analysiert. Facebook beschere demnach polarisierenden Debatten eine höhere Reichweite als sachlichen Diskussionen.

Wenig überraschend sind die Themen, bei denen Hasskommentatoren aktiv werden: Flüchtlinge, Kriminalität, Asylpolitik, Linksextremismus und das Engagement von sogenannten "Gutmenschen". Mit ihren Hass-Inhalten schaffen es User, kontroverse Diskussionen zu starten und so Facebook-Algorithmen gezielt auszutricksen. Für den neutralen Nutzer sieht es dann schnell so aus, als würden die wütenden Kommentare eine Mehrheit abbilden.

Ebenfalls nicht überraschend ist das politische Spektrum, dem Hass-Inhalte zuzuordnen sind. Sehr aktive Accounts lassen sich häufig als Anhänger von AfD und den sogenannten Identitären identifizieren, heißt es in der Studie. Für Kreißel besteht die große Gefahr darin, dass Hass-Postings als vermeintliche Meinungsmacher wahrgenommen werden könnten.

Verschiedene Ansätze um den Hate-Speech zu stoppen

Zum 1. Januar 2018 trat in Deutschland das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft, dass soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter dazu verpflichtet, rechtswidrige Hass-Posts und Hetze schneller zu löschen.

Forscher der Universitäten Hildesheim und Antwerpen haben ein Programm entwickelt, welches automatisch deutschsprachige Hassbotschaften auf Twitter aufspürt. "Die Software lernt selbstständig, Hasskommentare aufzuspüren, und kann auch mit der Tatsache umgehen, dass sich die Sprache des Hasses sehr schnell verändert", erklärte der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt.

Die Forscher können sich eine Zusammenarbeit mit Behörden gut vorstellen. Doch bisher gibt es dafür keine rechtliche Grundlage, weil es in der EU noch keine rechtsgültige Definition von "Hate Speech" gibt.