Studie zu gefährlichem Alkoholkonsum: Deutsche trinken sich zu Tode

23. April 2014 - 8:17 Uhr

Gefährliche legale Drogen

Am liebsten Bier und Wein: Die Lust der Deutschen auf Alkohol ist ungebrochen. Rund 135 Liter hat jeder Bundesbürger 2012 im Schnitt getrunken, heißt es im neuen Jahrbuch Sucht. Auch der Tabakverbrauch ging im Vergleich zu 2011 nur minimal um rund ein Prozent zurück - das macht 996 Zigaretten pro Einwohner im Jahr.

Jahrbuch Sucht
Deutsche trinken zu viel.
© dpa, Arno Burgi

Und das, obwohl in Deutschland alle sieben Minuten ein Mensch an den Folgen von übermäßigem Trinken stirbt – das haben Berechnungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen ergeben. Pro Jahr sind das rund 74.000 Todesfälle. Und bestätigt ist damit auch: die legalen Drogen fordern mehr Opfer als die illegalen.

Irrglaube über Alkoholismus weit verbreitet

Mit rund 105 Litern Bier, etwa 20 Litern Wein und 5 Litern Spirituosen pro Kopf, zählen die Deutschen zu den Spitzentrinkern in den OECD-Staaten. Nur in Luxemburg, Frankreich, Österreich und Estland werde mehr gebechert, rechnet das Jahrbuch vor. 1,8 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkoholabhängig.

Trotzdem wird Alkoholismus weithin unterschätzt. Jeder Dritte meint, Abhängigkeit entstehe erst durch häufige Trinkexzesse bis fast zum Vollrausch. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der 'Apotheken Umschau'. Bei den 14- bis 19-Jährigen meinte jeder Zweite, um vom Alkohol wirklich abhängig zu werden, müsse man sich über einen längeren Zeitraum immer wieder fast bis zum Vollrausch betrinken.

Ein Irrtum, sagt Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Häufiges Rauschtrinken kann zwar das Suchtrisiko erhöhen, aber meist entsteht eine Sucht schleichend." In der Regel ebne ein regelmäßiger Konsum, der sich langsam erhöht, den Weg in die Abhängigkeit. Mit zunehmendem Alkoholkonsum steigt zudem die Gefahr für zahlreiche akute und chronische gesundheitliche Probleme, für psychosoziale Störungen, sozialen Abstieg und Verelendung.

Und damit ist Alkoholismus auch volkswirtschaftlich ein großes Verlustgeschäft, schreiben die Forscher im Jahrbuch Sucht: 3,3 Milliarden Euro verdiene der Staat pro Jahr mit Alkoholsteuern - die Kosten für alkoholbedingte Krankheiten aber lägen bei etwa 26 Milliarden Euro im Jahr.

An den Folgen des Rauchens sterben demnach jedes Jahr mindestens 100.000 Menschen - so viele Einwohner leben in mittelgroßen Städten wie Jena, Koblenz oder Ulm. Anders als beim Alkohol geben die jüngsten Zahlen aber verhaltenen Grund zur Hoffnung. Die Zahl der Raucher ist seit einigen Jahren rückläufig - aber noch immer greifen ein gutes Drittel der erwachsenen Männer und ein gutes Viertel der Frauen zum Tabak. Die Forscher empfehlen daher höhere Steuern auf Alkohol und Tabak, eine zeitliche Begrenzung ihres Verkaufs und weniger Werbung.