Studie zu Elterngeld: Mütter fangen früher an, wieder zu arbeiten

Das Elterngeld gibt es seit 2007. Das ElterngeldPlus wurde am 1. Juli 2015 eingeführt.
Das Elterngeld gibt es seit 2007 - seit 1. Juli 2015 auch in der Variante ElterngeldPlus.
iStockphoto

Väter nehmen häufiger Elternzeit – aber oft nur die "Bonusmonate"

Die Frau bleibt mit dem neugeborenen Kind zuhause, der Mann geht arbeiten: Das klassische Familienbild stimmt im Jahr 2018 nur noch bedingt. So fangen Mütter früher an, wieder zu arbeiten, und Männer gehen vermehrt in Elternzeit – wenn auch oft nur für zwei Monate. Das hat eine Studie des "Instituts der Deutschen Wirtschaft" (IW) ergeben. Ein Grund für diese Entwicklung sei die Einführung des Elterngeldes vor elf Jahren.

Durch Elterngeld: Weniger Mütter arbeiten im ersten Lebensjahr ihres Kindes

"Mit dem Elterngeld sollte einerseits ein finanziell gut abgesicherter Schonraum für die Familien im ersten Lebensjahr des Kindes geschaffen und andererseits eine frühe Rückkehr der Mütter in den Arbeitsmarkt gefördert werden", heißt es seitens des IW-Forschers Wido Geis-Thöne. "Dass dies tatsächlich erfolgreich war, zeigt die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Müttern in den ersten Lebensjahren ihrer jüngsten Kinder."

Das staatliche Elterngeld wurde im Jahr 2007 eingeführt und wird für einen Kernzeitraum von zwölf Monaten bezahlt. Seit der Einführung arbeiten Mütter im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes weniger als noch 2006. Das heißt, der finanzielle Puffer, der mit dem Elterngeld geschaffen werden sollte, scheint tatsächlich entstanden zu sein. Anders sehen die Zahlen für das zweite Lebensjahr des Kindes aus: Während vor zwölf Jahren 34,6 Prozent der Mütter zwischen dem ersten und dem zweiten Geburtstag ihres Nachwuchses erwerbstätig waren, hat 2017 beinahe jede zweite Frau (44 Prozent) dort schon wieder gearbeitet. Und im dritten Lebensjahr sind mehr als 60 Prozent aller Mütter in Deutschland zurück im Job.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Väter nutzen häufiger zwei Monate Elternzeit aus

Trotz aller Reformen, auch bezüglich der Gleichstellung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt, bleibt in der Regel noch immer die Frau zuhause und hütet das Kind. Das hat oft wirtschaftliche Gründe, da der Mann in einer Partnerschaft häufig älter ist als seine (Ehe-)Frau und demnach mehr Berufserfahrung hat und mehr Geld verdient.

Auffällig ist aber, dass Männer inzwischen ebenfalls häufiger zuhause bleiben. Mit dem Elterngeld gewährt die Bundesregierung zwei zusätzliche Monate Elternzeit für die Väter. In Familien, die im Mai oder Juni dieses Jahres Nachwuchs bekommen haben, sind rund 36 Prozent der Väter schon in Elternzeit gegangen. 2014 waren das insgesamt 34,2 Prozent, 2008 nur 20,8 Prozent.

Elterngeld: Wer bekommt wie viel? Unterstützung vom Staat
01:51 min
Unterstützung vom Staat
Elterngeld: Wer bekommt wie viel?

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Rechtlicher Anspruch auf Kita-Platz – theoretisch

Um Eltern langfristig die Vereinbarung von Familie und Beruf zu ermöglichen, gibt es seit 2013 einen rechtlichen Anspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab einem Alter von zwölf Monaten. Tatsächlich können Eltern diesen Anspruch nicht immer wahrnehmen. In Deutschland herrscht seit Jahren ein Mangel an Kita-Plätzen. Hintergrund ist das fehlende Betreuungspersonal.

Aus diesem Grund dürfte der Anteil der Mütter, die auch im zweiten und dritten Lebensjahr ihres Nachwuchses zuhause bleiben, nicht so schnell sinken wie für Regierung und Arbeitsgeber wünschenswert.