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Studie: Rolle von Corona-Superspreader-Events größer als gedacht

Berechnung anhand eines mathematischen Modells

Studie: Superspreader-Events befeuern Pandemie noch mehr als angenommen

Coronavirus: Symbolbilder zum Thema Hygiene, Waschen, Niesen, Husten und Desinfektion Symbolbilder zum Thema Hygiene, Waschen, Niese, Husten und Desinfektion, 70173 Stuttgart, Deutschland *** Coronavirus Symbol pictures on the subject of hygiene, was
Solange man beim Niesen alleine ist, ist alles in Ordnung.
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Vorfälle erreichen Schubwirkung

Sogenannte Superspreader-Events haben im Verlauf der Corona-Pandemie ganz offensichtlich immer wieder zu regionalen Ausbrüchen und in der Folge auch zu insgesamt erheblich steigenden Infektionszahlen geführt. US-Mathematiker haben errechnet, dass die Rolle dieser Massenansteckungen für den Verlauf der Pandemie erheblich größer ist als bisher angenommen. Ihre Studie wurde im Fachjournal PNAS veröffentlicht.

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Superspreader geben Virus an mehr als 6 Personen weiter

Felix Wong und James Collins vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) sammelten dafür zunächst empirische Daten zu Super-Ausbreitungsereignissen bei Sars-CoV-2 und seinem Vorgänger Sars. Mit diesen Daten fütterten sie dann statistische Modelle aus der Extremwerttheorie. Diese stammt aus der Finanzmathematik und ist spezialisiert auf Modelle, bei denen Einzelereignisse extreme Folgen haben. Ein Beispiel dafür ist das Risiko von Naturkatastrophen, um die Auswirkungen auf Versicherungszahlungen abschätzen zu können.

Für das Coronavirus wird von einer Reproduktionszahl von drei bis fünf ausgegangen. Das heißt, ohne weitere Schutzmaßnahmen steckt ein Infizierter im Durchschnitt drei bis fünf weitere Menschen an. Die Forscher definierten Superspreader als Personen, die das Virus an mehr als sechs andere Personen weitergaben und identifizierten so 45 Super-Spreading-Ereignisse aus der aktuellen Sars-CoV-2-Pandemie und 15 zusätzliche Ereignisse aus dem Sars-Ausbruch 2002/03, die alle in wissenschaftlichen Artikeln dokumentiert wurden.

"Große Superspreader-Ereignisse häufiger als erwartet"

"Diese wirklich großen Superspreader-Ereignisse mit 10 bis 100 infizierten Menschen sind weitaus häufiger als erwartet", wird Wong in einer Mitteilung des MIT zitiert. Superspreader-Ereignisse bilden in der Normalverteilung der Übertragungsketten nach Ansicht von Wong und Collins einen "fat tail", einen fetten Schwanz, der die Epidemie befeuern kann, weil jeder einzelne Infizierte weitere Menschen ansteckt, und sei es nur mit der natürlichen Reproduktionszahl. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Verhinderung von Super-Spreading-Ereignissen einen signifikanten Einfluss auf die Gesamtübertragung von Covid-19 haben könnte, so die Forscher.

Biologische Faktoren, wie beispielsweise die Viruslast, wurden bei der Untersuchung außen vor gelassen und sollen in einer weiteren Studie berücksichtigt werden. Die Schlussfolgerung von Wong und Collins auf der Basis ihrer bisherigen Berechnungen ist jedoch klar: Für die Vermeidung von Superspreader-Ereignissen gebe es eine einfache Möglichkeit. Es müsse verhindert werden, dass Personen auf Versammlungen mit mehr als zehn Personen interagieren.

Hatte jeder Infizierte mit zehn oder weniger weiteren Menschen Kontakt, kam es noch nicht zu einer massenhaften Ausbreitung des Virus. Wurde diese Zahl jedoch überschritten, wurden deutlich mehr Menschen infiziert. Dies gelte den Forschern zufolge übrigens nicht nur für das Coronavirus, sondern sei bereits von der Grippe, von Masern, Röteln, Windpocken und auch von Ebola bekannt.