Mehr als jedes zweite Produkt belastet

Studie: Resistente Keime in Discounter-Hähnchen

Tausende Hühner in einem Stall in Storkow
Tausende Hühner in einem Stall in Storkow
© DPA

28. Oktober 2020 - 10:14 Uhr

Antibiotika-Resistenz kann lebensgefährlich sein

Die Verbraucherschutz-Organisation Germanwatch hat eine Studie veröffentlicht, die belegt, wie viel Hähnchen mit resistenten Keimen belastet ist. Die Ergebnisse sind alarmierend – und die Auswirkungen für Menschen lebensgefährlich.

Bis zu 60 Prozent der Proben belastet

Laut Studie sei rund jedes zweite Hähnchen-Produkt aus den drei größten Fleischbetrieben Europas belastet. Besonders hebt die Studie das Unternehmen PHW mit Sitz in Rechterfeld im Landkreis Vechta hervor, das unter anderem für die Marke "Wiesenhof" produziert. Laut Germanwatch seien hier auf 60 Prozent der Fleisch-Produkte Resistenzen gegen Antibiotika gefunden worden.

Jede dritte Hähnchenfleischprobe des PHW-Konzerns weist Resistenzen gegen Reserveantibiotika auf. Diese sollten laut Weltgesundheitsorganisation WHO für Menschen vorbehalten sein, da sie im Notfall benötigt werden, wenn herkömmliche Antibiotika bereits nicht mehr wirken, berichtet Germanwatch.

Insgesamt wurden 165 Fleischprodukte stichprobenartig untersucht, gekauft in Deutschland, Frankreich, Polen, den Niederlanden und Spanien. Germanwatch hat die Studie gemeinsam mit der Organisation "Ärzte gegen Massentierhaltung" durchgeführt.

Wo ist das Problem des Antibiotika-resistenten Fleischs?

Laut Germanwatsch sterben in Europa jedes Jahr rund 33.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Das liegt unter anderem daran, dass viele Menschen die Mittel durch den Einsatz in der industriellen Fleischwirtschaft aufnehmen. Das kann im Ernstfall lebensgefährlich sein.

"Die hohen Resistenzraten - besonders gegen Reserveantibiotika – haben uns überrascht und schockiert", sagt Reinhild Benning, Expertin für Tierhaltung bei Germanwatch. "Antibiotikaresistenzen sind ein enormes Gesundheitsrisiko für Menschen. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie benötigen Covid-Patientinnen und -Patienten oft wegen bakterieller Begleiterkrankungen wirksame Antibiotika."

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Die Fleischproduzenten verteidigen sich

Bei PHW geht man nicht weiter auf die Ergebnisse der Studie ein. Laut NDR verweist das Unternehmen auf branchenübliche Vorgehensweisen und beruft sich auf Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Germanwatch fordert, dass der Einsatz von Antibiotika in der "industriellen Billigfleischproduktion" verboten wird, damit die "Rettung von Menschenleben Priorität" hat.