Studie: Minijobs sind für Frauen ein hohes Risiko im Lebenslauf

22. Februar 2016 - 16:08 Uhr

Nur 14 Prozent ergattern eine Vollzeitstelle

Sie sollten eine Brücke in die Festanstellung werden – doch sie sind vielmehr eine Falle, aus der vor allem Frauen nicht mehr herauskommen: Minijobs. Fast fünf Millionen Menschen in Deutschland haben einen solchen Job, die meisten davon sind Frauen. Viele von ihnen kommen aus der Erwerbsform nach einer neuen Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums nicht mehr heraus. Demnach wird ein Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umso unwahrscheinlicher, "je länger der Minijob währt", schreibt die 'Süddeutsche Zeitung'.

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Für viele Frauen in Deutschland ist der Minijob eine Falle - sie schaffen es nie, eine Festanstellung zu bekommen.
© picture alliance / ZB, Jan Woitas

Der Untersuchung zufolge sind Frauen, bei denen ihr Minijob keine zusätzliche Nebenbeschäftigung ist, im Durchschnitt bereits sechs Jahre und sieben Monate geringfügig beschäftigt. Bei Verheirateten sind es sogar sieben Jahre und einen Monat.

Nur 14 Prozent der Frauen, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung ausübten, hätten heute eine Vollzeitstelle, 26 Prozent eine Teilzeitstelle mit mindestens 20 Stunden pro Woche. Mehr als die Hälfte der früheren Minijobber sei nicht mehr am Arbeitsmarkt tätig, so das Ergebnis der Ministeriums-Studie. Dies belege, dass Minijobs - anders als von den rot-grünen Arbeitsmarktreformern gewollt – "nicht als Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wirken".

Laut der Studie, für die 2.000 Frauen befragt wurden, haben die Minijobs auf Dauer ein negatives Image. Die meisten Frauen seien zwar gut ausgebildet, würden aber auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr als qualifizierte Fachkraft gelten.

"Billige Arbeitskräfte zweiter Klasse"

Aus einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung für das Düsseldorfer Arbeitsministerium geht hervor, dass jeder zweite Mini-Jobber weniger als 8,50 Euro verdient.

Rund 3.200 Beschäftigte und Arbeitgeber hatten an der Studie teilgenommen. Nach Angaben des NRW-Arbeitsministers Guntram Schneider (SPD) ist dies die umfassendste Befragung zu Minijobs. Bundesweit gibt es rund sieben Millionen geringfügig Beschäftigte, in NRW 1,7 Millionen.

Zwei Drittel der Minijobber haben der Studie zufolge noch nie den ihnen gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent wird bezahlter Urlaub generell verwehrt. "Selbst die Arbeitgeber geben zu, gesetzlich vorgeschriebene Leistungen nicht zu gestatten", kritisierte Schneider.

30 Prozent der Arbeitgeber sagen, dass sie keinen Urlaub gewähren. 40 Prozent zahlen kein Entgelt, wenn der Arbeitstag auf einen Feiertag fällt. 39 Prozent gewähren keine Fortzahlung im Krankheitsfall. "Obwohl Mini-Jobber arbeitsrechtlich allen anderen Beschäftigten gleichgestellt sind, werden sie von einer Vielzahl von Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt", bilanzierte Schneider.