Studie: Millionen Minijobber ohne Urlaub und Lohn bei Krankheit

Viele Minijobber arbeiten unter schlechteren Bedingungen als andere Arbeitnehmer.
Viele Minijobber arbeiten unter schlechteren Bedingungen als andere Arbeitnehmer.
© dpa, Jens Büttner

24. März 2017 - 16:37 Uhr

Dinge verwehrt, die für andere Arbeitnehmer selbstverständlich sind

Gute Chance auf ein Zubrot oder Einfallstor für miese Bedingungen im Job? Millionenfach bleiben Minijobbern Dinge verwehrt, die für andere Arbeitnehmer selbstverständlich sind. Doch nicht alles ist schlecht.

Trotz Rechtsanspruch kein bezahlter Urlaub

Millionen Minijobber in Deutschland nehmen trotz eines klaren Rechtsanspruchs keinen bezahlten Urlaub. Auch Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Entgelt an Feiertagen bekommen viele Minijobber nicht, obwohl es ihnen zusteht. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten großen Minijob-Studie des RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) in Essen hervor.

Demnach nahmen im vergangenen Jahr 29 Prozent der rund sieben Millionen Minijobber in Deutschland Lohnfortzahlung bei Krankheit in Anspruch. 

Das Recht auf bezahlten Urlaub nutzten 2016 rund 44 Prozent, 2012 waren es noch 19 Prozent. Mehr als jeder Zweite tut dies demnach heute nach wie vor nicht. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeitgeber kein Entgelt an Feiertagen zahlten. Der Anfang 2015 eingeführte Mindestlohn kam bei vielen Minijobbern an.

Der Anteil der Betroffenen mit weniger Lohn als 8,50 Euro die Stunde sank von rund 50 Prozent 2012 auf nun 14,5 Prozent. "Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, aber es ist noch längst nicht alles gut", sagte NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD). Häufig würden Minijobbern ihre Arbeitnehmerrechte vorenthalten. "Viele Arbeitgeber behandeln Minijobber nach wie vor als Arbeitnehmer zweiter Klasse."

"Mein Ziel ist nicht, Minijobs abzuschaffen"

Die Studie im Auftrag von Schmeltzers Ressort beruht auf Daten aus Nordrhein-Westfalen, ist aber nach Angaben der Studienautoren aussagekräftig für die Lage in ganz Deutschland. Schmeltzer sprach sich für Verbesserungen und mehr Schutz für Betroffene aus, unter anderem durch neue Bußgelder für Arbeitgeber bei Verstößen.

"Mein Ziel ist nicht, Minijobs abzuschaffen", betonte er. Für viele seien sie auch "eine gewünschte kleine Beschäftigungsform." 65 Prozent schätzten sie als Hinzuverdienstmöglichkeit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte von der Bundesregierung deutliche Verbesserungen. "Für rund fünf Millionen Menschen ist der Minijob die einzige Erwerbsquelle", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur. "Dabei geht es zum Beispiel um Arbeit auf Abruf, um 100-Euro-Jobs, mit denen heute viele Verkäuferinnen im Einzelhandel durch die Gegend und an ihren Rechten vorbei geschoben werden."