Neue Studie macht Hoffnung

Krebs: Erste Anzeichen der Erkrankung bereits im Kindesalter nachweisbar

Eine neue Studie macht Hoffnung auf frühzeitige Krebserkennung.
© Steve Debenport (Steve Debenport (Photographer) - [None], STEVE DEBENPORT

11. Februar 2020 - 9:43 Uhr

Erkrankung bereits Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch erkennbar

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit – Tendez steigend. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass Hinweise auf eine spätere Krebserkrankung bereits Jahre bis Jahrzehnte vor Ausbruch der Krankheit erkannt werden können – teilweise also bereits im Kindesalter. Dies könnte nicht nur entscheidend die Früherkennung verbessern, sondern auch gezieltere Therapien ermöglichen.

Ergebnisse der Studie könnten die Krebs-Diagnostik maßgeblich verbessern

Im Rahmen einer jahrzehntelangen Studie zur Entstehung von Dutzender Krebsarten haben internationale Forscher nun herausgefunden, dass erste Anzeichen wie Mutationen, die hauptverantwortlich für die Umwandlung von gut- in bösartige Zellen sind, schon Jahrzehnte vor der eigentlichen Diagnose eines Tumors erkannt werden können. "Das Außergewöhnliche ist, wie einige der genetischen Veränderungen viele Jahre vor der Diagnose aufzutreten scheinen", erklärt die an der Forschungsstudie beteiligte Clemency Jolly.

Demnach sind solche Mutationen teilweise schon im Kindesalter nachweisbar. Laut den Forschern kann jede fünfte genetische Mutation durch ein sogenanntes Frühereignis erkannt werden. "Dies zeigt, dass das Zeitfenster für ein frühes Eingreifen viel größer ist, als wir erwartet hatten", sagte Peter Campbell vom Wellcome Sanger Institute, ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Dies könnte völlig neue Möglichkeiten der Krebs-Diagnostik ermöglichen.

Die bislang umfassendste Meta-Analyse des Erbguts von Krebstumoren

Die Untersuchung wurde im Rahmen des Projekts "Pan-Cancer Analysis of Whole Genomes" (PCAWG) durchgeführt. Dabei handelt es sich um die bislang umfassendste Meta-Analyse des Erbguts von Krebstumoren. Für ihre Untersuchung haben die insgesamt 1.500 beteiligten internationalen Wissenschaftler rund 2.700 Krebspatienten und 38 verschiedene Krebsarten untersucht. Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" vorgestellt.

"Mit dem Wissen, das wir über die Entstehung und Entwicklung von Tumoren gewonnen haben, können wir neue Werkzeuge und Therapien entwickeln, um Krebs früher zu erkennen, gezieltere Therapien zu entwickeln und Patienten erfolgreicher zu behandeln", fasst Lincoln Stein, Mitglied des Projekt-Lenkungsausschusses, in einer Erklärung des Ontario Institute for Cancer Research, die Ergebnisse zusammen.

Ergebnisse ermöglichen Entwicklung neuer Tests zur Krebs-Früherkennung

Bedeutend für die Krebsforschung sind die Untersuchungen der Wissenschaftler vor allem hinsichtlich der Entwicklung neuer Früherkennungsmethoden. So sind die Forscher zuversichtlich, dass in Zukunft Tests entwickelt werden könnten, die entsprechende Mutationen mittels sogenannter Flüssigbiopsien erkennen. Wenn sich Mutationen in frei schwebender DNA im Blut nachweisen ließen, könnte dies Hinweise auf Tumore im Körper liefern. Dies würde eine frühzeitige Behandlung in einem sehr frühen Stadium der Krankheit möglich machen und einer späteren Krebserkrankung vorbeugen.

Krebs weiter auf dem Vormarsch

In den westlichen Ländern hat Krebs die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Haupttodesursache bei den 35- bis 70-Jährigen bereits abgelöst, wie Forscher 2019 im medizinischen Fachmagazin "The Lancet" nach Auswertung einer Studie berichteten. Daran hatten 160.000 Menschen zwischen 35 und 70 Jahren in 21 Ländern auf fünf Kontinenten teilgenommen. Gründe sind die steigende Lebenserwartung, Lebensstilfaktoren wie Rauchen, aber auch eine bessere Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass sich die Zahl der Krebserkrankungen weltweit bis zum Jahr 2040 fast verdoppeln wird. Dies macht deutlich, wie bedeutungsvoll die oben genannten Ergebnisse der Studie sind – durch entsprechende Frühtests könnten sich also tausende Leben retten lassen.