Ein Schoko-Nikolaus = 60 Minuten joggen

Studie: Konkrete Sporthinweise helfen uns beim Kalorien-Verzicht

© dpa, Oliver Berg, obe fpt olg

2. Januar 2020 - 20:04 Uhr

Je konkreter der Kalorienhinweis, desto eher verzichten wir

Kalorienangaben sind mittlerweile auf fast allen Lebensmitteln zu finden. Doch meistens wirken sie abstrakt. Eine Studie aus England zeigt jetzt, dass uns konkrete Beispiele beim Verzicht auf Schokolade, Pizza und Co. helfen würden. Auf der Tafel Schokolade würde demnach ein kleines laufendes Männchen abgedruckt werden, um zu zeigen, wie lange wir joggen müssten, um die Tafel wieder abzutrainieren.

Pro Tag würden wir bis zu 200 Kalorien sparen

Ein Schoko-Nikolaus hat 600 Kalorien - das klingt nicht so schlimm. Wüssten wir allerdings schon in dem Moment, dass wir beispielsweise eine ganze Stunde auf dem Cross-Trainer stehen müssten, um das wieder abzutrainieren, sähe die Lage schon anders aus.

Genau das hat eine Studie der Loughborough University jetzt herausgefunden. Das Ergebnis ist eindeutig: Im Durchschnitt konsumierten die Teilnehmer der Studie 65 Kalorien weniger pro Mahlzeit, wenn die Kalorien in Sportminuten angegeben waren. Pro Tag könnte das ein Unterschied von 200 Kalorien sein, schreiben die Forscher im "Journal of Epidemiology & Community Health".

So zumindest die Annahme unter Laborbedingungen: Die Forscher haben nicht untersucht, ob sich dieser Effekt mit der Zeit abnutzt oder auch im Restaurant und im Supermarkt funktionieren würde.

Je konkreter, desto besser

Bisher gibt es auf manchen Lebensmitteln eine Ampel, die anzeigt, wie gesund das Produkt ist. Das dient als zweite Orientierung für Konsumenten, die sich nicht allein auf die Kalorienangaben pro 100 Gramm verlassen wollen. Beides ist im Vergleich zu den sportlichen Männchen aber sehr viel abstrakter.

  • Für eine Tiefkühl-Pizza mit 750 Kalorien müssten wir etwas über eine Stunde joggen.
  • Für ein Glas Cola müssten wir mindestens 10 Minuten brustschwimmen.
  • Für eine Tüte Chips müssten wir fast zwei Stunden auf dem Cross-Trainer stehen.

Netter Nebeneffekt: Mehr Sport

Den Forschern geht es mit ihrer Veröffentlichung aber nicht nur darum, zum Verzicht zu ermahnen, sondern darauf aufmerksam zu machen, welche Vorteile Bewegung hat. Durch die Sportsymbole könnten sich viele Konsumenten aber auch schlicht denken: "Was, so viel Sport für einen Schoko-Riegel? Das lohnt sich nicht!"

Mehr Bewegung im Alltag wirkt sich aber langfristig noch viel positiver auf unseren Körper aus, als nur kurzfristig ein paar Kalorien zu verlieren. Unser Herz-Kreislauf-System wird durch regelmäßige Bewegung gestärkt und kann der alltäglichen Belastung so viel besser trotzen.

Kritik: Könnte Essstörungen fördern

Eine so klare Verdeutlichung von Kalorien und Bewegung könnte sich allerdings auch negativ auf Menschen mit Essstörungen auswirken. Denn sie sagt nichts über enthaltene Nährstoffe, Vitamine und Ballaststoffe aus.

Außerdem sei der Zwang hinter dem Essen nicht förderlich, so Ernährungsexpertin Dominique Halpick. Besser sei es "den Gelüsten nachzugeben und den Rest des Tages daruf zu achten, dass ich mich gesund ernähre", so Halpick.

Am besten ist es also, sich aktiv mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen und dadurch gesund zu essen, sich viel zu bewegen und ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper aufzubauen. Dann richtet auch ein Schoko-Nikolaus hin und wieder keinen allzu großen Schaden an.