Lebensqualität sinkt, depressive Symptome steigen

Studie: Jedes 3. Kind durch Pandemie psychisch auffällig

Kind schaut aus dem Fenster
© dpa, Sebastian Gollnow, scg bsc

10. Februar 2021 - 11:23 Uhr

Sorgen und Ängste haben zugenommen

Nicht nur Erwachsene leiden unter den Einschränkungen in der Coronapandemie, sondern auch viele Kinder. Das besorgniserregende Ergebnis einer neuen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): Fast jedes dritte Kind leidet ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Sorgen, Ängste sowie Beschwerden haben sogar zugenommen.

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Bestimmte Familien besonders betroffen

Für die sogenannte COPSY-Studie haben Forscher des UKE mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1.600 Eltern online befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es vielen Kindern während der Pandemie zunehmend schlechter geht. Besonders betroffen sind laut Studie Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund.

"Wir brauchen [...] verlässlichere Konzepte, um insbesondere Kinder aus Risikofamilien zu unterstützen und ihre seelische Gesundheit zu stärken. Hier sind auch die Schulen gefragt, regelmäßig Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern zu halten und ihnen dadurch Wertschätzung und Aufmerksamkeit entgegenzubringen", sagt Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie.

Lebensqualität sinkt, depressive Symptome steigen

Sieben von zehn Kindern geben bei der Befragung an, dass sie eine geminderte Lebensqualität in der Pandemie haben. Vor der Pandemie sagte nur drei von zehn Kindern und Jugendlichen so etwas über ihr noch junges Leben. Außerdem zeigen Kinder laut Studie häufiger depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden, haben zum Beispiel Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen. Betroffen sind laut Studienleiterin Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer häufiger jüngere Kinder als ältere. Aber sie sagt auch: "Ein Großteil der Kinder wird gut durch die Krise kommen."

Probleme in der Schule und mit Freunden

Bereits im Sommer 2020 haben die Forscher eine solche Befragung durchgeführt und festgestellt, dass sich das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern verdoppelt hat. In der zweiten Befragung kommt nun auch heraus, dass viele Kinder miterleben wie sich Familien öfter streiten. Auch in der Schule klappt es nicht mehr so gut, sogar das Verhältnis zu den Freunden sei laut Studie schlechter geworden.

Dass auch gesunde Ernährung und Sport einen immer kleineren Stellenwert bei den Kindern und Jugendlichen haben, sieht die Studienleiterin kritisch: "Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden. Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Niederlagen umzugehen", so Prof. Dr. Ravens-Sieberer.

Auch Eltern betroffen

Nicht nur den Kindern geht es psychisch seit Beginn der Pandemie schlechter. Auch Eltern zeigen laut Studie immer häufiger depressive Symptome. "Die Eltern scheinen sich auf die Anforderungen durch das Homeschooling und die Doppelbelastung mit ihrer Arbeit eingestellt zu haben und versuchen, diese bestmöglich zu managen. Sie kommen dabei aber zunehmend an ihre Grenzen", so die Studienleiterin.

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