Neues Studienergebnis räumt Klischee aus dem Weg

Frauen sind keine besseren Multitasker als Männer

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15. August 2019 - 7:21 Uhr

Studie zur Multitasking-Fähigkeit

Die Annahme, dass Frauen besser beim Multitasking sind als Männer, ist weit verbreitet - und doch nur ein Klischee, das Wissenschaftlerinnen der RWTH Aachen jetzt aus dem Weg geräumt haben. Sie haben die Annahme in einer Studie auf die Probe gestellt. Die Ergebnisse sind für beide Geschlechter ernüchternd.

Beide Geschlechter langsamer und ungenauer

Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind Frauen nämlich nicht besser beim Multitasking als Männer. Die Forscher um Patricia Hirsch von der RWTH Aachen hatten 48 Frauen und ebenso viele Männer Zahlen- und Buchstabentests machen lassen.

Das Ergebnis: Mussten sie zwei Aufgaben gleichzeitig erledigen, arbeiteten beide Geschlechter langsamer und ungenauer, wie die Gruppe in der Fachzeitschrift "Plos One" schreibt. Ein Unterschied zwischen den Geschlechtern war nicht feststellbar.

Probanden mussten verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigen

In ihrer Untersuchung ließen die Wissenschaftler ihre Probanden auf einem Bildschirm erscheinende Buchstaben als Vokale oder Konsonanten identifizieren. Eine zweite Aufgabe bestand darin, Zahlen als gerade oder ungerade zu bestimmen. Bei einigen Tests mussten sie die zwei Aufgaben gleichzeitig erledigen, bei anderen schnell von einer zur anderen Aufgabe wechseln.

Das weit verbreitete Vorurteil, dass Frauen im Multitasking besser seien als Männer, konnten die Ergebnisse nicht bestätigen, erklärt Hirsch -  zumindest nicht bei den gemachten Tests, die exemplarisch für bestimmte Herausforderungen stehen.

Ältere Studien kamen zu anderen Ergebnissen

Die Forscher weisen darauf hin, dass ältere Studien zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen seien. In einigen Fällen seien keine Unterschiede festgestellt worden, manchmal schnitten die Frauen besser ab, in anderen Untersuchungen die Männer.

Dass einige Studien Geschlechterunterschiede nahelegen, könne an den gestellten Aufgaben liegen, schreiben die Aachener Forscherinnen. Denn kein einzelnes Experiment könne alle Formen von Multitasking und die dafür nötigen kognitiven Fähigkeiten testen.

Unterschiede würden keiner evolutionären Logik folgen

Auch der an der Studie nicht beteiligte Neuropsychologe Lutz Jäncke von der Universität Zürich geht davon aus, dass Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Multitasking gering beziehungsweise gar nicht vorhanden sind. Ein solcher Unterschied würde keiner evolutionären Logik folgen.

"Multitasking ist etwas, das wir Menschen ausgesprochen schlecht können", sagt Jäncke. Unser Gehirn sei dafür gemacht, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. "Sie müssen irrelevante Informationen unterdrücken, um das relevante Zeug da durch zu lassen."

DPA/ RTL.de