Untersuchungen in über 120 deutschenKliniken

Corona-Verlauf bei Schwangeren meist mild

Die gute Nachricht: die meisten Schwangeren haben milde Verläufe, nur wenige Babys kommen infiziert zur Welt
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12. November 2020 - 11:15 Uhr

Nur wenige Neugeborene kommen infiziert zur Welt

Untersuchungen aus mehr als 120 deutschen Kliniken bezüglich Schwangerschaften und Geburten während der Pandemie zeigen: Die meisten infizierten Schwangeren haben einen leichten Verlauf. Auch kommen nur wenige Neugeborene mit einer Infektion auf die Welt. Trotzdem darf die Erkrankung auch in der Schwangerschaft nicht unterschätzt werden.

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Milde Verläufe bei Schwangeren Covid-19 Patientinnen

Bis zum ersten Oktober 2020 wurden aus 65 deutschen Kliniken insgesamt 247 SARS-CoV-2 positiv getestete Schwangere gemeldet. Die meisten Schwangeren haben allerdings einen milden Verlauf der Erkrankung, 36 Prozent der Frauen waren sogar symptomfrei. Wenn es Beschwerden gab, hatten die Schwangeren am häufigsten Husten oder ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Schüttelfrost. Von vermehrter Abgeschlagenheit und Müdigkeit wurde in 27,5 Prozent der Fälle berichtet. Nur eine von vier Betroffenen bemerkte Geschmacks- sowie Geruchsstörungen. Eher selten traten Übelkeit oder Schwindel auf. 

Allerdings mussten 14 werdende Mütter intensivmedizinisch betreut werden. "COVID-19 stellt gerade in der Schwangerschaft eine Herausforderung dar, da Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind", so Dr. Pecks, Leiter der Geburtshilflichen Abteilung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und einer der Studienleiter.

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Mehr Kaiserschnitte während Corona

185 der in der Studie erfassten Schwangeren haben mittlerweile entbunden. Die meisten auf natürlichem Weg. 75 Frauen hatten einen Kaiserschnitt. "Damit wurde in der untersuchten Gruppe zwar häufiger eine Kaiserschnittentbindung im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt vergangener Jahre durchgeführt, seltener aber im Vergleich zu Schwangeren in vielen anderen Ländern", resümiert der Studienleiter.

Auswirkungen einer Covid-19 Infektion auf Neugeborene

Die wenigen infizierten  Neugeborenen haben meist einen schwachen Verlauf der Erkrankung
Es gibt mehr Frühgeburten, aber nur wenig infiziert auf die Welt kommende Babys
© dpa, Fabian Strauch, bsc

"Für Neugeborene hat SARS-CoV-2 insbesondere durch häufigere Frühgeburten eine Auswirkung", erklärt Prof. Mario Rüdiger Direktor des Zentrums für fetoneonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden. 25 Kinder wurden zu früh und vor der 38. Schwangerschaftswoche geboren. Wobei aber nur zirka zwei Prozent der Neugeborenen positiv auf das Virus getestet wurden. Auch hier verläuft die Krankheit meist nur mit minimalen Symptomen. "Ähnliche Größenordnung geben auch internationale Daten her. Das sind relativ beruhigende Zahlen. Wichtig für die Mütter ist, nach der Geburt darauf zu achten, ihr Neugeborenes nicht anzustecken", so Prof. Rüdiger vom Universitätsklinikum Dresden.

Studie zu Schwangerschaft während der Pandemie soll fortgeführt werden

Auch wenn die Finanzierung der Studie derzeit nicht gesichert ist, hoffen die Mediziner darauf, sie fortführen zu können. "Uns gelingt es mit solchen Studien immer besser, das SARS-CoV-2-Virus zu verstehen und auch für ganz bestimmte Patientengruppen gezielte Maßnahmen zu entwickeln", erklärt Prof. Dr. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Auch lassen diese ersten Erkenntnisse noch keine abschließende Beurteilung zu Corona-Verläufen während der Schwangerschaft und bei Neugeborenen zu. Auch deshalb müsse die Studie weiter gehen, sagen die Experten.

Mittlerweile beteiligen sich bereits 130 deutsche Kliniken an der Studie. Diese betreuen in Deutschland zirka ein Viertel aller Geburten.

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