Studie: Chefs in Deutschland müssen besser werden

Ein guter Chef kann Wunder wirken

Nachholbedarf für Deutschlands Chefs: Anerkennung, Respekt und Motivation für die Mitarbeiter fällt vielen Führungskräften noch schwer. Nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden nur 69 Prozent der Arbeitnehmer durch ihren Chef unterstützt - zumindest manchmal. Im EU-Durchschnitt sind es 81 Prozent. "Auf die Führungskräfte kommt es an", erklärte IW-Direktor Michael Hüther. Die Arbeitszufriedenheit sei für viele Beschäftigte entscheidender als die Bezahlung. Ein guter Chef kann also Wunder wirken.

IW-Studie zur Zufriedenheit im Job: Chefs müssen besser werden.
Ausgerechnet die Arbeitgeberseite räumt nun ein, dass die Chefs an sich arbeiten müssen.
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Neun von zehn Arbeitnehmern in Deutschland sind mit ihrem Job zufrieden. Nur in Dänemark, Norwegen, Österreich und Großbritannien sind sie noch zufriedener. Damit landen wir bei der Arbeitszufriedenheit an neunter Stelle, 21 andere europäische Länder schnitten schlechter ab, das Schlusslicht bildet Albanien. Für die Studie wurden Daten der EU-Organisation Eurofund ausgewertet. Das Ergebnis deckt sich auch mit Ergebnissen der OECD.

Dass laut Krankenkassen mehr Arbeitnehmer wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gehen, führt das IW darauf zurück, dass Depressionen und andere psychische Leiden häufiger diagnostiziert würden als früher. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlen sich viele dadurch belastet, dass sie sich um mehrere Aufgaben gleichzeitig kümmern müssen. Termin- und Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen stressen einen Großteil der Arbeitnehmer.

Nachholbedarf in Deutschland

"Es kann keine Rede davon sein, dass sich die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren systematisch verschlechtert haben", betonte Hüther. Viele hätten gerade auch unter Stress und Zeitdruck Spaß bei der Arbeit. "Stress wirkt sich negativ aus, wenn er auf Dauer zur Überlastung führt", stellte Studienleiter Oliver Stettes klar.

Geld spiele nicht so eine so große Rolle wie in vielen südeuropäischen Ländern. 82 Prozent derer, die meinen, zu wenig zu verdienen, sind trotzdem mit ihrem Job zufrieden. Natürlich sind die, die mit ihrem Lohn zufrieden sind, auch insgesamt zufriedener, hier sind es nämlich 95 Prozent. Dieser Unterschied sei in vielen Ländern aber größer.

"Ein hohes Gehalt, gute Karrierechancen und ein sicherer Arbeitsplatz sorgen dafür, dass die Beschäftigten zufrieden sind", fasste Hüther zusammen. Wichtig sei aber, dass die Chefs ihre Mitarbeiter besser unterstützen. Die Unternehmen sollen aber bereits erkannt haben, dass hier Nachholbedarf besteht. Knapp die Hälfte aller Firmen bieten spezielle Trainings für ihre Führungskräfte an.